Die Bundesregierung will den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung deutlich zurückführen und auf diese Weise der damit verbundenen Problematik von antibiotikaresistenten Keimen entgegentreten. In einem Interview mit der ZEIT erklärte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt dieses Thema zur Chefsache.

"Das hat bei mir allerhöchste Priorität. Unser Ziel muss es sein, nicht in eine Zeit vor die Erfindung des Penicillins zurückzufallen. Deswegen muss der Einsatz von Antibiotika insgesamt auf den Prüfstand, und ich sage ausdrücklich: sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermedizin. Wir müssen die Dissonanzen zwischen Humanmedizinern und Tiermedizinern auflösen", sagte Schmidt. Er arbeite bereits eng mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe zusammen, es gebe eine gemeinsame Aufgabe, der Befund laute salopp: "Houston, wir haben ein Problem."

Wie wichtig das Thema der deutschen Politik sei, könne man auch daran ablesen, dass die Bundesregierung ihre G7-Präsidentschaft nutzen werde, um das Thema global anzugehen. Schmidt sagte: "Ich habe dies gerade in Washington mit meinem Kollegen Tom Vilsack erörtert. Eine so großzügige Verabreichung von Antibiotika im Tierbereich wie in den USA, zum Teil nicht mal verschreibungspflichtig und oft als reiner Wachstumsbeschleuniger, ist für uns nicht akzeptabel".

Der Landwirtschaftsminister sagte, es gehe um eine gewisse Sorglosigkeit in der gesamten Gesellschaft, was den Umgang mit Antibiotika betreffe. "Und leider finde ich diese Sorglosigkeit sowohl in der Tier- als auch in der Humanmedizin. Die Herausforderung ist nun, diese Sorglosigkeit in eine angemessene Besorgnis umzuwandeln."

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT.

Nach der Überzeugung des Ministers sei Fleisch an manchen deutschen Fleischtheken zu billig. "Ich will unsere hohen Standards im Produktionssystem unter anderem durch meine Tierwohl-Initiative weiter steigern. Am Ende dieser Wertschöpfungskette steht der Verbraucher, der diese Entwicklung mit seinem Geldbeutel unterstützt. Denn es ist klar, mehr Tierschutz geht nicht ohne eine leichte Steigerung des Kostenniveaus beim Fleisch. Das Kilo Grillfleisch für 2,99 Euro – das geht nicht."

Schmidt sagte, dass die intensive Landwirtschaft in Deutschland an manchen Orten an Grenzen stoße. "Das reine Prinzip von Effizienz und Ertragsmaximierung greift da nicht mehr." Schmidt, der erst seit knapp einem Jahr Landwirtschaftsminister ist, meinte, die größte Überraschung in diesem Amt sei für ihn, "wie sehr die Landwirte inzwischen das Gefühl haben, an den Rand der Gesellschaft gedrückt zu werden. Das ist keine gute Entwicklung, da müssen wir entgegenwirken."