Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verlangsamt in vielen OECD-Ländern das Wirtschaftswachstum. Dafür ist vor allem das immer stärkere Auseinanderdriften der ärmsten 40 Prozent vom besser gestellten Rest der Bevölkerung verantwortlich. Denn Ärmere investieren in der Regel weniger in Bildung – in Folge gibt es weniger Ausbildung von Kompetenzen im jeweiligen Land, wie aus einem neuen Arbeitspapier der Organisation hervorgeht.

Auch in Deutschland erhöhte sich demnach der Abstand zwischen Arm und Reich seit Mitte der achtziger Jahre. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verdienten damals fünf Mal mehr als die ärmsten zehn Prozent – heute verdienen die reichsten zehn Prozent sieben Mal so viel.   

In Deutschland ist das inflationsbereinigte Bruttoinlandsprodukt laut OECD pro Kopf zwischen 1990 und 2010 um etwa 26 Prozent gewachsen. Nach Berechnungen der Forscher hätte das Wachstum bei gleichbleibender Einkommensungleichheit fast sechs Prozentpunkte höher ausfallen können.

Starkes und dauerhaftes Wachstum sei nur bei energischem Eintreten gegen wachsende Ungleichheit möglich, so die OECD. Daher könne auch gezielte Umverteilung durch Steuern und Transferleistungen durchaus wachstumsfördernd sein.

"Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken", sagte OECD- Generalsekretär Angel Gurría. "Wachsen und gedeihen werden vor allem jene Länder, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben."