DGB-Chef Reiner Hoffmann (Archivbild) © Rainer Jensen/dpa

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) droht wegen des offenen Konflikts um die Haltung zur Tarifeinheit laut DGB-Chef Reiner Hoffmann keine Spaltung. "Die Unterschriftenaktion, die jetzt drei Gewerkschaften durchführen, ist keine Aktion gegen den DGB", sagte Hoffmann. Sie richte sich allein an die Regierung. Zuvor hatte der Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, wegen der unterschiedlichen Ansichten zum Dialog aufgerufen. "Die Dinge sind in einem Zustand angekommen, in dem wir das klären müssen", sagte Vassiliadis.

Für Hoffmann ist die Unterschriftenaktion Ausdruck unterschiedlicher Strömungen im DGB. "Sie entspricht nicht meiner Position, ich halte sie auch nicht für sonderlich zielführend, aber natürlich kann ich unterschiedliche Positionen akzeptieren." Zwar habe der DGB historische Wurzeln mit der SPD. "Aber wir haben als Einheitsgewerkschaft auch Mitglieder, die sich bei der CDU, den Grünen oder der Linken engagieren." Grüne und Linke lehnen das Gesetz ab.

Zugleich betonte Hoffmann die Gemeinsamkeiten im DGB. "Wir sind alle für die Tarifeinheit." Sie stärke den Grundsatz "ein Betrieb, ein Tarifvertrag". Alle DGB-Gewerkschaften seien sich auch in ihrem Nein zu einem gesetzlichen Eingriff ins Streikrecht einig. Die Sorge, wonach Arbeitsgerichte wegen des Gesetzes Streiks von Minderheitsgewerkschaften verbieten könnten, teilt Hoffmann zwar.  "Ich sage allerdings: Das müssen wir uns im Einzelfall genau anschauen, und erst dann beurteilen." 

Von den acht DGB-Gewerkschaften sind drei gegen den von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf zur Tarifeinheit, weil sie einen Eingriff ins Streikrecht befürchten: Ver.di, die zweitgrößte Arbeitnehmerorganisation, sowie die Lehrergewerkschaft GEW und die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Die von den drei Gewerkschaften gestartete Unterschriftenaktion wurde bis zum Wochenende von mehr als 18.000 Menschen unterzeichnet.