Verlässt Griechenland den Euro? Stürzt das Land die Währungsunion wieder in eine Krise? So und ähnlich lauteten die Schlagzeilen am Montag. Dass Griechenland nun vor Neuwahlen steht, muss jedoch nicht zwangsläufig in einem erneuten Aufflammen der Euro-Krise enden. Denn die Wahlen sind das Ergebnis eines ausgeklügelten Plans. Ausgedacht hat ihn sich Ministerpräsident Antonis Samaras.

Vor einigen Wochen hatte er überraschend angekündigt, die für Anfang März geplante Präsidentschaftswahl um zwei Monate vorzuziehen. Samaras wusste, dass er die nötige Mehrheit für seinen Kandidaten Stavros Dimas kaum zusammenbekommen würde. Als Mitglied der konservativen Nea Dimokratia war der ehemalige EU-Kommissar Dimas für die meisten Oppositionspolitiker unwählbar. Aber statt auf die Opposition zuzugehen und einen mehrheitsfähigen Kandidaten zu finden, hielt Samaras an Dimas fest und verlor.  

Bereits im September hatte der griechische Ministerpräsident mit den internationalen Geldgebern über weitere Kredite für sein Land verhandelt. Die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank verlangte für das Geld wieder einmal harte Reformen, die Samaras im griechischen Parlament Anfang des Jahres hätte durchsetzen müssen. 

Seiner Regierungskoalition ist aber schon lange die Lust an Reformen vergangenen. Samaras' Mehrheit im Parlament ist ohnehin unter dem Druck der Troika auf nur wenige Sitze geschrumpft. Der griechische Regierungschef besitzt schlichtweg nicht mehr die politische Kraft, um sein Land nach dem Willen der Troika zu reformieren. Und statt sich komplett aufzureiben, erzwingt er Neuwahlen und sucht so den Schlagabtausch mit Alexis Tsipras, dem Chef der radikalen Linken. Der Partei, die seit Monaten in den Umfragen vorne liegt.  

IWF zahlt nicht mehr

Sollte Tsipras Ende Januar gewinnen, muss er sich nach Koalitionspartnern umsehen. Und er muss Farbe bekennen: Will er wirklich das Troika-Programm aufkündigen und Reformen rückgängig machen? Und am Ende vielleicht sogar den Euro aufgeben und Griechenland und mit ihr die Währungsunion in eine neuerliche Krise stürzen?

Der Internationale Währungsfonds hat bereits angekündigt, Griechenland bis auf Weiteres kein Geld mehr zu überweisen. Erst müsste die neue Regierung in Athen stehen, heißt es aus Washington. Für eine Regierungskoalition, die das Land binnen weniger Wochen in den Staatsbankrott schickt, wird Tsipras jedoch nur schwerlich Verbündete finden. Bereits Ende Februar könnte Griechenland das Geld ausgehen.

Sollten die radikalen Linken mit der Regierungsbildung scheitern, scheitert auch ihre Gallionsfigur Alexis Tsipras. Und es könnte eintreten, was Griechenland schon einmal im Jahr 2012 erlebt hat: zwei aufeinanderfolgende Parlamentswahlen. Der Sieger damals hieß Antonis Samaras. Seine Nea Dimokratia steigerte ihr Ergebnis von einer Wahl zur anderen um mehr als zehn Prozentpunkte. Vielleicht hofft Samaras darauf, das Spiel auf diese Weise noch einmal zu gewinnen.  

Es ist auch keineswegs ausgemacht, dass Tsipras die Neuwahl gewinnt. Der Vorsprung in den Umfragen schrumpft. Zu groß ist offensichtlich die Angst der Griechen, unter den Linken könnte alles noch viel schlimmer werden als es ohnehin schon ist. Auch in diesem Fall könnte sich Samaras als Sieger feiern lassen.

Das Ziel des Regierungschefs ist in jedem Fall klar: Samaras will seine Macht sichern und nimmt dafür in Kauf, dass Europa wieder in einen Krisenmodus rutscht. Schon in wenigen Monaten könnte die neue Samaras-Regierung jedoch verkünden: Liebe Griechen, es muss weiter gespart werden!