Limas Hitze hat Barbara Hendricks umgehauen. Der lange Flug, das straffe Programm, die stickigen Zelte auf dem Gelände des Klimagipfels: Wegen einer Kreislaufschwäche sagte die Bundesumweltministerin am Mittwoch alle ihre Termine in der peruanischen Hauptstadt ab. Ihre Rede zu den Delegierten aus 195 Staaten, die in Lima gerade über einen neuen Klimavertrag verhandeln, wurde auf Donnerstag verschoben. Dann soll Hendricks wieder fit sein.

Am Mittwoch begann in Lima die Runde der Minister. Sie sollen durch ihr politisches Gewicht dem Gipfel zu seinem Ende hin genügend Schwung verleihen und so zu einem guten Ergebnis führen. Ziel ist, Freitagnacht einen tragfähigen Entwurf für einen neuen Klimavertrag zu beschließen. Er soll die klimapolitischen Pflichten der einzelnen Staaten für die Zukunft festlegen: Wie viel Treibhausgas-Emissionen müssen sie einsparen? Wie viel Geld für die Anpassung an den Klimawandel und die Reparatur von Klimaschäden geben? Und wie wollen sie sich im eigenen Land gegen die Erderwärmung wappnen?

Im Idealfall nimmt der neue Vertrag alle Unterzeichnerstaaten in die Pflicht – nicht mehr nur die Industrieländer, die durch das alte Kyoto-Protokoll gebunden sind. Das zu erreichen, ist auf dem Gipfel in Lima das Ziel vieler Delegationen, auch das der deutschen. Doch die Unterhändler beispielsweise aus China und Saudi-Arabien sehen das anders. Sie wollen, dass sich auch in Zukunft nur die alten Verschmutzer formal zum Klimaschutz verpflichten, die Schwellenländer aber nicht – obwohl China mittlerweile in absoluten Zahlen der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen ist.

Möglicherweise stecken die beiden Länder hinter zwei heiß diskutierten Abschnitten im Vertragsentwurf: Diese sollen auch künftig nur die Kyoto-Unterzeichnerstaaten verpflichten, konkrete Emissionsminderungsziele vorzulegen. Ein weiterer Knackpunkt der Verhandlungen verbirgt sich in Paragraf 14a des Entwurfs. Auf drei Zeilen legt er fest: Die Kyoto-Staaten sollen von 2019 an jedes Jahr Geld geben für die Klimapolitik und die Anpassung vor allem der besonders armen Länder. Schwellenländer oder Ölstaaten erwähnt er nicht.

"Völlig unmodernes Konzept"

Für die deutsche Delegation in Lima ist das inakzeptabel. "Wir halten das für ein vollständig unmodernes Konzept aus den letzten Jahrzehnten", sagt Staatssekretär Jochen Flasbarth. "Es bildet die heutigen Realitäten nicht mehr ab." Das alte Denken müsse überwunden werden, sagt Flasbarth: Auch die Schwellenländer müssten ihren Beitrag leisten, ob finanziell oder durch eigene Emissionsziele. Nur drei Tage bleiben noch bis zum geplanten Ende des Gipfels – wie die Parteien in diesem zentralen Punkt zu einer Einigung finden sollen, ist bisher völlig unklar. Klar scheint nur, dass sich etwas bewegen muss.

Immerhin: Was das Geld betrifft, haben die Industriestaaten schon guten Willen bewiesen. Australien, Belgien und Liechtenstein versprachen mehr Geld für den grünen Klimafonds, der dadurch die psychologisch wichtige Marke von zehn Milliarden Dollar geknackt hat. Deutschland sicherte 50 Millionen Euro zu für einen weiteren Fonds, der Länder bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen soll. Bei Umweltorganisationen und Entwicklungsländern kam das offenbar gut an.

Jetzt wächst der politische Druck auf die unwilligen Schwellenländer. Die Koalitionen haben sich verändert: Es sind nicht mehr nur die USA, die von China und Indien mehr Einsatz fordern. Auch Delegierte aus den ärmsten Ländern, die den Klimawandel besonders stark spüren werden, machen in Lima aus ihrem Unmut keinen Hehl.

Die Minister versuchen jetzt, in Gesprächen abseits der großen Verhandlungsrunde etwas zu bewegen. Um sich darauf konzentrieren zu können, hat man beschlossen, alle anderen kritischen Punkte ins kommende Jahr zu verschieben. Insgesamt komme man aber nur langsam voran, sagt Flasbarth. "Das besorgt uns." Ob die Konferenz in den letzten Tagen noch einen Zahn zulegen kann, wird für ihren Erfolg entscheidend sein.