Ein Tankwagen wird in einer Abfüllanlage von Sedapal mit Wasser betankt. © Alexandra Endres/ZEIT ONLINE

Am Stadtrand von Lima ist es staubig und es stinkt. In der Dezemberhitze quält sich in San Diego, im Norden der peruanischen Hauptstadt, ein Tankwagen über enge Sandpisten den Hügel hinauf. In Deutschland brächte er jetzt Heizöl; den Familien von San Diego liefert er Wertvolleres: Wasser.

Ohne ihn wären die Bewohner des Viertels von der Wasserversorgung abgeschnitten. Sie müssten teures Mineralwasser kaufen, um zu trinken und zu kochen, waschen könnten sie sich nur im schmutzigen Rinnsal des nahen Flusses Chillón. Das Leitungsnetz des öffentlichen Versorgers Sedapal reicht nicht bis hierher. San Diego ist nicht das einzige Viertel der Metropole Lima, in dem die Rohre nicht ankommen. Etwa ein Fünftel der mehr als acht Millionen Einwohner wird von den Tanklastern versorgt.

Wer San Diego besucht, bekommt eine Ahnung davon, wie knapp Wasser in Lima ist. In Zukunft könnte es noch knapper werden. Denn eigentlich müsste es schon längst regnen in den Anden, und das Bett des Chillón müsste sich mit Wasser füllen. Drei Monate lang dauert die Regenzeit normalerweise, von Dezember bis Februar – doch in diesem Jahr hat der Regen noch nicht begonnen.

"Manchmal kommt der Wagen nicht"

Umweltschützer sagen: Es ist der Klimawandel, den Lima jetzt schon spürt. Auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen, der gerade unten in der Stadt tagt, geht es deshalb auch um die Leute von San Diego. Die Delegierten verhandeln über die Frage, ob Entwicklungs- oder Schwellenländer wie Peru einen finanziellen Ausgleich erhalten sollen für die Schäden des Klimawandels. Was ist beispielsweise ausbleibender Regen wert? Das ist eine der großen Fragen des Gipfels.

Clarisa Millán kennt den Wert des knappen Wassers ziemlich genau. Die 31-Jährige lebt seit 29 Jahren in San Diego, derzeit wohnen sechs Personen in ihrem Haushalt. Auch Millán kauft Wasser aus den Tankwagen – und zahlt dafür einen viel höheren Preis als die Wohlhabenden unten in der Stadt. Dort kostet das Nass aus der Leitung umgerechnet rund 70 bis 80 Eurocent pro Kubikmeter. Die Armen oben auf den Hügeln von Lima müssen manchmal das Zehnfache berappen. Niemand geht so sparsam mit dem Wasser um wie sie. 

"Manchmal kommt der Wagen nicht", sagt Millán, "dann müssen wir uns noch stärker einschränken." Oder sie holen das Nötigste aus dem dreckigen Chillón. Toiletten mit Wasserspülung gibt es in San Diego keine. Die Nachbarn nutzen Plumpsklos; und auch im Sand zwischen den Häusern liegen Fäkalien. Wenn sich Wind erhebt, verteilt er ihre Partikel mit dem Staub überall. In Limas Armenvierteln leiden viele unter Atemwegserkrankungen und Magendarminfekten. Vor allem die Kinder werden schnell krank.

In Lima ist Wasser aus vielen Gründen Mangelware. Es fängt schon mit der Geographie an: Die Stadt ist umgeben von Wüste; es regnet so gut wie nie. Ohne die Niederschläge der Anden, die hinter der Stadt aufragen, hätten die Limeños nichts zu trinken. Doch 98 Prozent des Regens fließen von Lima weg, in Richtung Amazonas. Ein Tunnel quer durch die Berge soll wenigstens einen Teil zurück in die Stadt bringen, aber er ist alt und marode. Der Trinkwasserversorger Sedapal plant jetzt, einen zweiten zu bauen.