Barack Obama wird wahrscheinlich nicht persönlich zum Klimagipfel nach Lima fahren – und doch hält der US-Präsident die Delegierten aus der Ferne in Atem. Vor einigen Wochen verkündete er mit seinem chinesischen Counterpart Xi Jinping eine Vereinbarung, die viele als Durchbruch in der internationalen Klimapolitik feierten: China und die USA, die beiden größten Klimasünder des Planeten, verpflichten sich auf konkrete Emissionsziele.

Den Verhandlungen in Lima gibt das ungeahnten Schwung. Bis vor Kurzem galt Klimaschutz als mühseliges Thema. Dabei steht viel auf dem Spiel: Ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll muss her, sonst steht die Welt ab dem Jahr 2020 ohne verbindliche Reduktionsziele für das Klimagas Kohlendioxid da. Unterzeichnet werden soll das neue Abkommen im kommenden Jahr in Paris. Damit das geschehen kann, müssen sich die Vertreter von 195 Staaten in Lima auf einen tragfähigen, detaillierten Entwurf einigen, sonst wird die Zeit zu knapp.

Obamas neuer Ehrgeiz stellt die Unterhändler nun vor neue Probleme. Zu Hause hat der Präsident ab Januar einen feindseligen Kongress mit republikanischer Mehrheit gegen sich. Wie er seine Ambitionen gegen diesen Widerstand durchsetzen können wird, ist eine knifflige Frage. An ihr knabbern nicht nur die Juristen im Weißen Haus, sondern auch die Unterhändler in Peru – und nicht nur die aus den USA. "Hinter den Kulissen feilen die Delegierten an einem auf die Bedürfnisse Obamas zugeschnittenen Vertrag", sagt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Germanwatch.

Möglichst verbindlich soll der Vertrag schon sein – auch für die USA, und auch über Obamas Amtszeit hinaus. Dennoch muss der Präsident den Vertrag am Kongress vorbei unterzeichnen und vor allem umsetzen können. Für die Verhandlungen in Lima bedeutet das: Das neue Abkommen sollte möglichst so gestrickt sein, dass Obama keine neuen Gesetze verabschieden muss, um es zu erfüllen.

Immerhin seien die von Obama bereits verkündeten Klimaziele durch bestehende Gesetze und Verordnungen gedeckt, sagen Experten. "Die Rechtslage verleiht Obama ausreichend Macht", sagt Jennifer Morgan, die Klimachefin des World Resources Institute, eines umweltpolitischen Thinktanks in Washington. Die Verwaltung werde zwar aggressiv vorgehen müssen, um sich durchzusetzen. "Aber Präsident Obama hat diese Art von aggressivem Handeln priorisiert. Er sendet alle Signale, dass es ihm ernst damit ist."

Die Republikaner werden allerdings versuchen, ein ehrgeiziges Klimaschutzabkommen zu verhindern. Sie können dazu etwa Gesetzesvorlagen einbringen. "Aber Obama wird sein Veto einlegen, sodass sie keine Rechtskraft erlangen", sagt Morgan. Sie glaubt nicht, dass der Präsident dem Druck nachgibt.

Seinen Willen, ein ambitioniertes Abkommen zu schließen, hat Obama immer wieder bekundet. Zwei Jahre ist er noch im Amt und der Klimavertrag soll sein umweltpolitischer Nachlass sein. Geht es nach ihm, werden die Treibhausgasemissionen der USA im Jahr 2025 mindestens zwischen 26 und 28 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2005 liegen. Um das zu erreichen, müsste das Land den Ausstoß in Zukunft doppelt so schnell reduzieren wie bisher.