Mit den Weltklimagipfeln ist es ein bisschen wie mit dem Verkehr in Lima. Auf der Straße müssen alle immer in die gleiche Richtung – aber weil jeder Fahrer unterschiedlich schnell fährt und manche zwischendurch die Spur wechseln, kommt die Wagenkolonne nur schleichend voran. Und keiner darf zurückgelassen werden: Entscheidungen fallen auf den Klimakonferenzen entweder einstimmig, oder sie fallen gar nicht.

Man kann an der Langsamkeit verzweifeln. Bei dem Tempo wird es immer unwahrscheinlicher, das gemeinsame Ziel noch zu erreichen: einen internationalen Klimavertrag, der dafür sorgt, dass die Erde sich höchstens um zwei Grad erwärmt. Dabei ist klar: Je langsamer die Gesellschaft vorankommt, desto schwieriger und damit teurer wird es auf den letzten Metern. Und doch sind solche Konferenzen die einzige Möglichkeit, sich auf gemeinsame Regeln für die mehr als 190 Staaten der Klimakarawane zu einigen.

In Lima stellten sich am Ende plötzlich mehrere Verhandlungsparteien quer. Zwei Tage lang ging gar nichts mehr, und am Ende ließ sich der Stau nur mühsam auflösen. Das Ergebnis war ein Mini-Kompromiss.

Große Hürden auf dem Weg nach Paris

Nur ein Jahr bleibt noch, bis in Paris der Weltvertrag vereinbart werden soll, der vor fünf Jahren in Kopenhagen nicht zustande kam. In ihm sollen sich alle Staaten verpflichten, ihren Ausstoß von Treibhausgasen ab 2020 zu bremsen. Der neue Vertrag soll regeln, wie die Fortschritte jedes einzelnen Landes im Klimaschutz zu messen und zu kontrollieren sind, wie die Anpassung an den Klimawandel funktionieren kann, welche Entschädigung die besonders betroffenen Staaten erhalten sollen und wie das alles finanziert werden soll. Viele Grundsatzfragen blieben nach Lima ungeklärt. Wie sie in nur einem Jahr gelöst werden sollen, ist ein Rätsel.

Dabei herrschte vor dem Gipfel noch Optimismus. China und die USA hatten sich öffentlich zum Klimaschutz verpflichtet. Auch die Kassen füllten sich. In Lima gab es weitere Zusagen für den Grünen Klimafonds und andere Töpfe der internationalen Klimapolitik. Alleine Deutschland versprach rund 45 Millionen Euro für den Waldschutz, 35 Millionen Euro für den Bio Carbon Fund und 50 Millionen Euro für die Anpassung an den Klimawandel.

Es reichte nicht, um einen zentralen Grundsatzstreit zu lösen. In Lima ging es um die Frage aller Fragen: Wer zahlt für den Klimawandel? In einer Welt, in der sich die wirtschaftlichen und politischen Gewichte in Richtung Asien verschieben, in der China, Indien und manche Ölstaaten zu den größten Luftverschmutzern gehören, wäre es nur logisch, wenn auch sie mehr Verantwortung übernähmen – vor allem: dass auch sie sich im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichteten, ihre Emissionen zu senken und Geld zu geben für den Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen anderswo. Eben gegen eine solche Verpflichtung sträubten sich die Schwellenländer vehement. Trotz ihrer wirtschaftlichen Macht bestehen sie auf ihrem alten Status als Entwicklungsland.

China setzt seine eigenen Regeln

Das scheint paradox, schließlich investiert beispielsweise China im eigenen Land bereits große Summen in den Klimaschutz. Doch multilaterale Verpflichtungen bergen den Anspruch, sich internationaler Kontrolle zu unterwerfen, und die will das Land auf keinen Fall zulassen. China will selbst bestimmen, nach welchen Regeln es sich entwickelt.

Mit seiner Blockadehaltung stand China in Lima nicht alleine. Viele Entwicklungsländer, die einen schnellen und engagierten Klimaschutz dringend bräuchten, schlugen sich auf seine Seite. Sie forderten mehr Geld von den Industriestaaten und einen Vertragstext, der noch einmal bekräftigt, dass die Reichen für Klimaschäden zahlen. Das aber wollten die USA nicht akzeptieren