Ölförderung in der nähe von Lost Hills in Kalifornien © David McNew/Getty Images

Was, wenn der amerikanische Öl-Boom gar keiner war? Sondern nur eine von der Wall Street finanzierte Blase? Ein Fass Öl kostet mittlerweile weniger als 60 Dollar – vor sechs Monaten waren es 115 Dollar. Der Preis ist praktisch kollabiert. Trotz der leichten Aufwärtsbewegung in den vergangenen Tagen spekulieren manche Marktteilnehmer gar, dass er die Marke von 50 Dollar testen könnte. 

Die Leidtragenden sind vor allem die Opec-Staaten und Russland, war in den vergangenen Tagen immer wieder zu lesen. Aber der Preissturz setzt auch die US-Produzenten erheblich unter Druck, die auf sogenannte unkonventionelle Quellen gesetzt haben – Vorkommen in Ölschiefer, die nur mit aufwendigen und teuren Methoden wie Fracking gewonnen werden können. Viele der unkonventionellen Produzenten sind unabhängige kleinere Player, die nur über eine dünne Kapitaldecke verfügen oder gar keine mehr haben. Wie lange sie bei den niedrigen Ölpreisen durchhalten können, ist derzeit die große Frage.

Der Fracking-Boom war von Anfang an mit vielen offenen Fragen verbunden. Bis heute ist unklar, warum er vor rund sechs Jahren überhaupt begonnen hat. Schließlich ist die Methode schon lange bekannt. Schon 1860 experimentierten Ölsucher mit der Idee, in den 1950er Jahren wurde die Technologie eingesetzt, wenn sie auch nicht sehr verbreitet war. In den achtzigern verfeinerte George Mitchell, der als Vater des Ölschiefers in der Branche verehrt wird, die Methode, um damit  Schiefervorkommen von Öl und Erdgas förderbar zu machen. Nach wie vor jedoch war es ein teures Unterfangen. Was fehlte, um die unkonventionellen Vorkommen zu erschließen, war vor allem eines: Investoren, die bereit waren, viel Geld in den Ölschiefer zu pumpen.  

"Das Geld rauscht nur so rein"

2007 platzte die  Immobilienblase, die Geldmaschine der Wall Street fiel auseinander. Während die Welt noch mit der Rezession kämpfte, suchten die Banker in New York schon nach einem neuen Betätigungsfeld. Öl und Gas schienen aus ihrer Sicht optimal: Die Nachfrage nach Energie würde nicht nachlassen, so das neue Mantra. Das klang genauso überzeugend wie zuvor die Regel, dass die Immobilienpreise in den USA niemals im ganzen Land gleichzeitig einbrechen würden.

Investoren anzulocken war nicht weiter schwierig: Um die Rezession zu bekämpfen und die Banken zu stützen, die das Desaster maßgeblich ausgelöst hatten, hatten die Zentralbanken die Leitzinsen auf null (inzwischen teilweise sogar darunter) gesenkt. Großinvestoren wie Pensionskassen, Versicherer, Investmentfonds suchten verzweifelt deshalb nach Möglichkeiten, ihre Geld renditeträchtig anzulegen.

Über 100 Milliarden Dollar investierten Private-Equity-Gesellschaften allein seit 2011 in die Energiebranche. Und es wurde und wird kräftig gezockt, unter anderem mit sogenannten High-Yield-Bonds. Das sind Anleihen, die eine höhere Verzinsung versprechen, weil die Kreditwürdigkeit der Unternehmen nicht gerade glänzend ist. Besser bekannt sind die Papiere als Junk-Bonds – Schrottanleihen.