Äpfel, Schrauben, Helikopter: Es gibt kein Exportgut, das die Zahlenexperten des Statistischen Bundesamtes nicht erfassen, wenn es Deutschland verlässt. Jede Ware bekommt eine Nummer, bis zu acht Stellen lang, dann beginnen die Experten des Amtes zu zählen. Einmal pro Jahr wird das Ergebnis auf der Homepage der Wiesbadener Behörde veröffentlicht. Wer will, kann den Weg jeder Ware nachvollziehen.

Fast jeder Ware zumindest.

Denn für die 31 Warennummern der sogenannten Kriegswaffenliste galt das bislang nicht. Die Beamten in Wiesbaden durften zwar zählen, wie viele Patronen, Pistolen, Panzer und Fregatten von Deutschland aus ins Ausland verschickt wurden. Sie durften die Information aber nicht veröffentlichen. Stattdessen schickten die Statistiker die Daten in regelmäßigen Abständen an das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Die Beamten dort entschieden dann, welche Information den Weg in den jährlichen Rüstungsexportbericht der Regierung finden durfte und welche nicht.

Diese Praxis soll sich nun ändern – wohl auch deshalb, weil sich ZEIT ONLINE seit Monaten um die Daten aus dem Kriegswaffenregister bemüht. Schon im Herbst erhielt die Redaktion überraschenderweise auf Anfrage eine Datenreihe über den Export von Kleinwaffen, die bisher unter die Geheimhaltung fiel. Das geschah offenbar in Absprache mit dem Wirtschaftsministerium.

Seither läuft eine Anfrage von ZEIT ONLINE über die restlichen 30 Warennummern. Das Statistische Bundesamt schrieb daraufhin das Wirtschaftsministerium an und bat um eine offizielle Entscheidung, ob auch andere Exportdaten öffentlich gemacht werden dürften. Als eine Antwort ausblieb, plant die Statistikbehörde nun, die Praxis eigenhändig zu ändern. Vom kommenden Jahr an will das Amt auch die Warennummern der sogenannten Kriegswaffenliste veröffentlichen. Die entsprechenden Formulare sind schon vorbereitet. Das Wirtschaftsministerium muss jedoch noch zustimmen. "Das ist jetzt eine politische Entscheidung", heißt es aus dem Amt.

Für die Abgeordneten des Bundestags und für Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Rüstungsexporten beschäftigen, würde der Schritt einen enormen Zugewinn an Transparenz bedeuten. Künftig könnten sie viel genauer nachvollziehen, welche Rüstungsgüter tatsächlich das Land in einem gewissen Zeitraum verlassen. Der Rüstungsexportbericht der Regierung gibt hierüber nur einen vergleichsweise groben Überblick.

Allerdings ist noch fraglich, wie viele Informationen am Ende wirklich öffentlich zugänglich sein werden. Denn das Statistikamt will vorher alle Rüstungsfirmen anschreiben, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Geheimhaltungsinteressen geltend zu machen. Wird deren Einspruch stattgegeben, werden die Daten weiterhin geschwärzt sein. Anders als früher kehrt sich aber die Beweislast um: Alles wird veröffentlicht, es sei denn, die Industrie legt ein Veto ein.

"Am alltäglichen Geschäft mit Rüstungsgütern wird das zwar nichts ändern", sagt Jan van Aken, Rüstungsexperte der Linksfraktion. "Aber wir bekommen langfristig ein weit detaillierteres Bild, was Deutschland liefert."