Die russische Sberbank zeigt auf einem Monitor den fallenden Rubelkurs. © Dmitry Serebryakov/AFP/Getty Images

Der Rubelkurs befindet sich im freien Fall: Die russische Währung verlor bis zum Nachmittag um 20 Prozent an Wert. Erstmals mussten 80 Rubel für einen Dollar und 100 Rubel für einen Euro gezahlt werden. Seit Jahresbeginn büßte der Rubel damit fast 60 Prozent seines Wertes ein.

Große Verluste hatte es schon am Montag gegeben. In der Nacht versuchte die russische Notenbank dann, die Talfahrt des Rubels mit einem drastischen Eingriff zu stoppen: Sie hob den Leitzins von 10,5 auf 17 Prozent an. Damit sollte die "erhebliche Wertminderung" der Währung begrenzt werden, teilte die Zentralbank mit. Sie hatte bereits in der vergangenen Woche versucht, den Verfall der Währung mit Stützungen aufzuhalten. 

Grund für den dramatischen Wertverlust sind vor allem der fallende Ölpreis sowie die Sanktionen des Westens wegen der Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen. Für die ohnehin kriselnde Konjunktur Russlands ist der Zinssprung allerdings ein großes Risiko, weil höhere Zinsen den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen zusätzlich belasten dürften.  

Notenbankchefin Elwira Nabiullina räumte im Fernsehen ein, dass der Kurs kurzfristig nicht von der Zinserhöhung beeinflusst werde. Es werde einige Zeit dauern, bis wieder faire Wechselkurse erreicht seien. Das erwartet auch die Investmentbank Sberbank CIB in Moskau. "Die Lage der Dinge erforderte außergewöhnliche Maßnahmen von der Zentralbank – und solche Maßnahmen wurden jetzt ergriffen", teilte sie mit. Kurzfristig sei der Verfall des Rubels so allerdings nicht zu stoppen.

Ein fallender Rubel könnte die Inflation gefährlich anheizen. Die russische Regierung hatte kürzlich ihren ökonomischen Ausblick für das kommende Jahr herabgestuft und erwartet nun offiziell eine Rezession.

Angst vor der Staatspleite

Laut Händler Stefan Huber vom Broker Peregrine & Black stellen viele Anleger nun zunehmend Vergleiche her zwischen der Rubel-Krise von 1998 und der heutigen Situation, als auch andere Schwellenländer in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Der Ausverkauf an den Märkten schürte die Angst der Anleger vor einer Staatspleite. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 109.000 auf 656.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

US-Experten sehen das Anheben der Zinssätze als Lockmittel für Kapital. "Sie tun es als Köder, um die Leute zu ermutigen, ihre Rubel zu Hause zu lassen, anstatt weiterhin aus der Währung und dem Land zu fliehen", sagte Ökonom Barry Eichengreen von der University of California. Dies sei ein Versuch, Zeit zu gewinnen. "Es löst keines der eigentlichen Probleme, die die russische Wirtschaft hat", sagte Eichengreen.