Streik bei Amazon in Leipzig am 8.12.2014 © Peter Endig/dpa

Mit einem dreitägigen Streik an fünf deutschen Amazon-Standorten will ver.di das Weihnachtsgeschäft des Versandhändlers stören. Mitarbeiter von Amazon legten an fünf Standorten des Versandhändlers die Arbeit nieder. Den Auftakt machte der größte Standort im osthessischen Bad Hersfeld um kurz nach Mitternacht. Mitarbeiter in Leipzig (Sachsen), Graben (Bayern), Rheinberg und Werne (beide NRW) folgten mit Beginn der Frühschicht.

"Wir machen so lange weiter, bis wir denken, dass ein gerechtes Niveau für die Mitarbeiter von Amazon erreicht ist", sagte Reimann. Ver.di versucht seit mehr als einem Jahr, den Versandhändler zu Tarifgesprächen zu bewegen. Die Gewerkschaft will mit dem Unternehmen als Teil des Einzelhandels verhandeln – Amazon lehnt das strikt ab und sieht sich selbst als Logistiker. Seit Mai 2013 kommt es deswegen immer wieder zu Streiks. Das Unternehmen beschäftigt in bundesweit neun Warenlagern knapp 10.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen noch einige Tausend Aushilfen, die für das Weihnachtsgeschäft angestellt wurden.

Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger begründete den Streik mit den Worten: "Amazon weigert sich weiterhin kategorisch, das Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag anzuerkennen und hält Gewerkschaften für überflüssig." Das Unternehmen wolle die Arbeitsbedingungen diktieren. Lieferverzögerungen könnten wegen der Streiks nicht ausgeschlossen werden.

Amazon betont hingegen, das Versprechen pünktlicher Zustellungen einzuhalten. "Wir liefern zuverlässig", hatte Amazon-Sprecherin Anette Nachbar bei der Streikankündigung mitgeteilt. Am Ausstand habe immer nur eine Minderheit der Mitarbeiter teilgenommen. Dass Amazon trotz der Beeinträchtigungen pünktlich liefert, begründet das Unternehmen mit seinem europaweiten Netzwerk aus 28 Logistikzentren in sieben Ländern. Robert Gottfried Marhan, der Standortleiter des größten Versandzentrums in Bad Hersfeld, erklärte jüngst: "Streiks sind ein Szenario, auf das wir vorbereitet sind."