Eine Annäherung an Davos gelingt am besten, indem man am Flughafen Zürich nicht in eines der bereitstehenden Helikopter-Shuttles steigt, sondern sich mit dem Auto über Stunden hinauf in die Berge windet, einige Straßenkontrollen sowie die Schneegrenze passierend, um endlich ein mit Weiß überzogenes Dörfchen unwirklich daliegen zu sehen wie in einer Schneekugel aus dem Souvenirladen.

Wer die Schneekugel nach weiteren Kontrollen betritt, findet darin eine Miniatur der gesamten Welt. 2.500 Politiker und Wirtschaftslenker aus 140 Ländern, darunter 44 Staats- und Regierungschefs, versammelten sich vergangene Woche wieder zum World Economic Forum (WEF). Das unbescheidene Ziel gemäß WEF-Leitspruch: "den Zustand der Welt zu verbessern".

Wo, wenn nicht hier kann das gelingen? Die abgeschirmte Glaskugel-Atmosphäre macht es möglich, dass der Regierungschef Israels und der Staatschef des Irans vorbeischauen, der chinesische Premier und chinesische Dissidenten, der Präsident der Ukraine und der russische Vizeministerpräsident, dazu die CEOs der wesentlichen Großkonzerne. Im Publikum sitzen Mathilde von Belgien, Pharrell Williams, Bill Gates und Thomas de Maizière. 

Was aber, wenn Kontrolle allein nicht hilft?

In diesem Jahr wirkten die traditionell selbstbewussten Davos-Men (Frauenquote: 17 Prozent) so grüblerisch wie zuletzt während der Finanzkrise. Die Anschläge von Paris sind keine drei Wochen her und die Ahnung, was sie für die Welt bedeuten, sickerte langsam in Vorträge, Panels und Kaffeegespräche. Die Grundfesten der Gesellschaft würden angegriffen, rief der französische Staatspräsident François Hollande ins Publikum, jedes Land sei nun gefährdet. Frankreich werde als Grande Nation vorangehen, so Hollande, es brauche aber eine internationale Mobilisierung. Wozu? Die Grenzen müssten besser kontrolliert werden, die Geldströme, das Internet.

Was aber, wenn Kontrolle allein nicht hilft, weil der Terror mitten in der Gesellschaft wachsen kann? Kein Politiker oder Wirtschaftsweiser, sondern ein Cartoonist formulierte in Davos treffend "das größte Problem unserer Zeit": Wir lebten einerseits in einer globalisierten Welt, sagte der Schweizer Patrick Chappatte, andererseits "entstehen immer mehr Gemeinschaften, die sich einmauern".

Dieser großen Herausforderung gegenüber wirkte die eingemauerte Gemeinschaft von Davos ratlos. Ökonomische Partizipation, Zugang zu Bildung und demokratische Freiheit bieten aus Sicht der Wirtschaftselite seit jeher die Lösungen für fast alle Probleme. Ob und wie ihre Allheilmittel im Falle des erstarkenden globalen Terrors, in den Zeiten von IS, Al-Kaida und Boko Haram wirklich helfen, daran schien sie zunehmend selbst zu zweifeln.

Zum Beispiel die Ökonomie. Eine aufstrebende Weltwirtschaft, die die WEF-Männer selbst so erfolgreich gestalten, scheint Gesellschaften nicht zwingend zu stabilisieren. Obwohl die meisten Indikatoren zeigen, dass es den Menschen weltweit immer besser geht, wird die Kluft zwischen Wohlhabenden und Habenichtsen seit Jahrzehnten größer – eine Bedrohung für die Demokratie, ein fruchtbarer Boden für Terror.