Er hat also begonnen, der "Marsch in den monetären Sozialismus", wie es der Berliner Rechtsprofessor Markus C. Kerber formuliert hat. Die Europäische Zentralbank wird Staatsanleihen kaufen und in Deutschland – darauf deuten die ersten Reaktionen auf den Beschluss hin – ist das offenbar ungefähr gleichbedeutend mit dem Weltuntergang: Erst unterbleiben die Reformen in Südeuropa, dann kommt die Inflation und spätestens dann werden wir alle für den Schlendrian der Franzosen und der Italiener bezahlen. Oder doch nicht? 

Es ist vielleicht ganz hilfreich, sich einmal anzuschauen, was heute genau beschlossen wurde. Die EZB wird für 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen – sie gibt damit weniger Geld für Anleihekäufe aus als die amerikanische Notenbank. Und in den USA kam nicht etwa die Inflation, sondern das Wachstum. Die US-Wirtschaft schafft deutlich mehr Arbeitsplätze als die europäische – und das hat etwas mit der aggressiveren Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) zu tun.

Es stimmt schon: Die Fed hat amerikanische Bundesanleihen gekauft und in Europa muss die EZB die Anleihen der einzelnen Mitgliedsstaaten kaufen, was eine ganze Reihe von Problemen mit sich bringt. Denn wenn ein Mitgliedsstaat seine Papiere nicht mehr bedient, dann haften für Ausfälle auch alle anderen Euroländer. Sie sind ja die Eigentümer der EZB und haben sie mit Kapital ausgestattet.

Es träfe nicht die Falschen

Doch erstens ist das nun einmal so, wenn sich mehrere Staaten eine Währung teilen und zweitens hat die EZB eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen getroffen: So werden die nationalen Notenbanken den Hauptteil des Risikos übernehmen – und Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm ist eine gute Bonitätsbewertung. Ohnehin ist überhaupt nicht klar, inwieweit im Fall eines Zahlungsausfalls überhaupt Verluste anfallen. Notenbanken können schließlich nicht pleitegehen. Sie können die Wirtschaft auch mit einem Loch in der Bilanz mit Geld versorgen, weil sie dieses Geld selbst drucken.

Und selbst wenn die Deutschen am Ende belangt werden können: Es träfe nicht die Falschen. Denn es ist schlicht nicht korrekt, das Bild vom deutschen Steuerzahler, der von den Südeuropäern ausgenommen wird. Deutschland hat im Gegenteil wie kaum ein anderes Land von dieser Krise profitiert: Dass der Staatshaushalt ausgeglichen ist und am Arbeitsmarkt praktisch Vollbeschäftigung herrscht, hat auch damit zu tun, dass der krisenbedingt günstige Euro und die niedrigen Zinsen die Wirtschaft stützen. Uns geht es also auch so gut, weil es den anderen so schlecht geht.

Jetzt sind die anderen an der Reihe

Im Vergleich mit den sehr konkreten Vorteilen sind die abstrakten Haftungsrisiken aus der Rettungspolitik Peanuts. Zumal nicht einmal klar ist, ob sie sich jemals materialisieren. Jedenfalls wären die meisten anderen Länder in Europa wahrscheinlich froh, wenn sie die Probleme Deutschlands hätten. Denn dort hat die Krise nicht nur auf dem Papier irgendwelche Notenbankbilanzen anschwellen lassen, sondern den Menschen ihre Jobs genommen.

Deutschland braucht in der Tat keinen zusätzlichen monetären Impuls. Die EZB ist aber nicht nur für Deutschland zuständig, sondern für alle Mitgliedsstaaten der Eurozone. Und die sind jetzt an der Reihe.