Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank © REUTERS/Kai Pfaffenbach

Seit die Schuldenkrise 2010 ausgebrochen ist, kämpft die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euro. Bislang sah das so aus: Die Notenbanker senkten den Leitzins auf rekordtiefe 0,05 Prozent, sie verdonnerten Banken zu Strafzinsen, vergaben Notkredite und kauften Staatsanleihen, meist von Italien. Nun steht der vorerst letzte Akt an: In Kürze wird Präsident Mario Draghi wahrscheinlich bekannt geben, dass die EZB über den massenhaften Kauf von Staatsanleihen Milliarden ins Finanzsystem schleusen will. Es geht um große Summen: Im Gespräch sind 600 Milliarden bis zu einer Billion Euro.   

Das Ziel: Die EZB will einen Preisverfall auf breiter Front verhindern, der eine Wirtschaft auf Jahre lähmen kann. Wie das funktionieren soll, erklärt ZEIT ONLINE vereinfacht in drei Schritten:

1. Kaufen, kaufen, kaufen

Die EZB kauft Banken und anderen Finanzunternehmen im großen Stil Wertpapiere (vor allem Staatsanleihen) ab. Wichtig: Sie kauft nur Papiere, die bereits im Umlauf sind – würde sie den Staaten direkt die Papiere abnehmen, wäre das direkte Staatsfinanzierung, die ihr verboten ist. Für die Anleihen erhalten die Geldhäuser Geld. In den Finanzkreislauf gelangen so riesige Summen – die Notenbank druckt faktisch Geld. Weil die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes zunimmt, sprechen Fachleute von einer quantitativen Lockerung (quantitative easing).

2. Und nun: umschichten

Die Geldhäuser sitzen nun auf einem Berg Cash, den sie für ihre Wertpapiere bekommen haben. Sie stehen vor demselben Dilemma wie jeder, der sein Erspartes auf dem Tagesgeldkonto liegen hat: Das Geld vermehrt sich nicht von allein. Dafür reichen die niedrigen Zinsen schlicht nicht aus. Zudem dürften die Renditen von Staatsanleihen sinken, wenn die EZB im großen Stil auf Einkaufstour geht.

Doch Banken wollen Gewinne machen. Deshalb werden sie – so das Kalkül – so schnell wie möglich versuchen, ihr frisches EZB-Geld wieder gewinnbringend zu investieren: Sie schichten um.

 3. Draghis Geld soll bei Unternehmen landen

Wenn das Kalkül aufgeht, reichen die Banken das Zentralbankgeld weiter – zum Beispiel über Kredite. Außerdem könnten die Institute das Geld in Aktien oder Unternehmensanleihen stecken, die höhere Renditen versprechen. Davon profitieren Geldanleger ebenso wie Unternehmen, die nun mehr Geld haben und investieren können: Sie produzieren Waren, stellen Ingenieure ein oder entwickeln neue Produkte. Und die Kauflaune der Verbraucher könnte steigen, eine wachsende Wirtschaft lädt schließlich zum Geldausgeben ein.

Vor allem aber spielt auch der Wechselkurs eine Rolle. Die EZB-Milliarden werden wegen attraktiveren Renditen auch im Ausland angelegt. Das wiederum schwächt den Euro. Von einem schwachen Euro profitieren Unternehmen, die viele Waren ins Ausland verkaufen, weil ihre Produkte im Ausland günstiger werden. Importe dagegen werden teurer. So könnte die Geldschwemme die Preise steigen lassen. Zwar mögen viele Deutsche das Gefühl haben, dass alles ständig teuer wird. Tatsächlich aber ist die Inflation mit 0,2 Prozent im Dezember 2014 zurzeit gefährlich niedrig und verleitet Menschen dazu, Käufe aufzuschieben, weil sie auf niedrigere Preise warten.