Griechenlands linker Oppositionsführer Alexis Tsipras wirft der Bundesregierung vor, seine Absichten nach einem möglichen Wahlsieg Ende Januar falsch darzustellen. Seine Partei sei "keine große Bedrohung für Europa, sondern die Stimme der Vernunft", schrieb der Vorsitzende der Syriza-Partei in einem Beitrag für die Huffington Post. Dies werde aber nicht von allen wahrgenommen. 

"Eine kleine Minderheit, versammelt um die konservative Führung der deutschen Regierung und ein Teil der populistischen Presse besteht darauf, die Ammenmärchen und Geschichten vom Austritt Griechenlands aus der Eurozone weiterzuerzählen", schrieb er.

In Griechenland wird am 25. Januar gewählt. Die linke Syriza hat nach Umfragen die besten Aussichten, stärkste Kraft zu werden. Tsipras hat mehrfach angekündigt, das Sparprogramm, zu dem sich Griechenland im Gegenzug für Finanzhilfen seiner Europartner und des IWF verpflichtet hat, zu beenden. Er will über einen weitreichenden Schuldenerlass verhandeln. Griechenland steht mit etwa 320 Milliarden Euro in der Schuld.

Angriff auf Schäuble

Syriza sei "kein Ungeheuer", schrieb Tsipras. Die Menschen in Griechenland und Europa müssten sich vor nichts fürchten: "Weil Syriza nicht den Zusammenbruch will, sondern die Rettung des Euro". Die Gemeinschaftswährung zu retten, sei aber für die Mitgliedsstaaten unmöglich, wenn die öffentlichen Schulden außer Kontrolle seien.

Namentlich griff Tsipras Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an. "Auf der einen Seite haben wir die Sicht, die von Herrn Schäuble angeführt wird: Die Gesetze und Prinzipien, auf die man sich geeinigt hat, werden weiter durchgesetzt, egal ob sie funktionieren." Auf der anderen Seite gebe es die Strategie von EZB-Chef Mario Draghi, was immer nötig sei zu tun, um den Euro zu retten. Diese zweite Sichtweise werde sich durchsetzen.

"Menschen nicht in Armut treiben"

Syriza und die europäische Linke wollten, dass in einer europäischen Vereinbarung der größte Teil des nominalen Werts der öffentlichen Schulden Griechenlands abgeschrieben würde. "Ein Moratorium muss für ihre Rückzahlung ausgerufen werden und eine Wachstumsklausel muss erlassen werden, auf deren Basis die verbleibenden Schulden sinnvoll getilgt werden." Nur so könnten die übrigen Ressourcen für Wachstum genutzt werden. "Wir fordern Bedingungen für die Rückzahlung, die nicht dazu führen, ein Land in der Rezession zu ersticken und die die Menschen nicht in die Verzweiflung und Armut treiben", schrieb Tsipras.

Schäuble und andere führende Vertreter der großen Koalition hatten mehrfach einen Schuldenerlass abgelehnt und die Einhaltung der Reformzusagen der Regierung in Athen gefordert. Der deutsche Staat sichert gut 50 Milliarden Euro der Hilfskredite an Griechenland mit Ausfallbürgschaften ab.