Es kommt einem so bekannt vor: Griechenland wählt zum dritten Mal seit Beginn der Eurokrise ein neues Parlament, und in der Eurozone – vor allem in Deutschland – wird erneut darüber diskutiert, ob das Land in der Währungsunion bleibt und welche Folgen ein Austritt für die Währungsunion hätte.

Das Kanzleramt lässt schon einmal vorsorglich über den Spiegel verlauten, dass Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble einen Austritt für verkraftbar halten. Ob die Bundesregierung tatsächlich so denkt, sei dahingestellt, ein Regierungssprecher dementierte nur halbherzig. Und Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel vom Koalitionspartner SPD stellte sich ebenfalls hinter die deutlichen Worte Richtung Athen.

Die Aussage ist zu allererst politisch motiviert: Wir lassen uns nicht erpressen, gibt Berlin den Radikalen Linken unter Alexis Tsipras zu verstehen, die in den griechischen Umfragen vorne liegen. Die Taktik der Bundesregierung ist nicht neu. Bereits im Mai 2012 hatte sich Finanzminister Schäuble ähnlich geäußert. Damals hatte die Drohung gewirkt: Bis heute haben die Griechen die Währungsunion nicht verlassen und sich trotz aller Proteste an die mit der Troika vereinbarten Spar- und Reformauflagen gehalten. Von einer Kehrtwende der Bundesregierung kann deshalb keine Rede sein.

Trotzdem hat sich die Debatte gewandelt. Unter Ökonomen mehren sich die Stimmen, die einen Euroaustritt Griechenland mittlerweile für weniger riskant halten. Aber ist dem wirklich so? 

Die Krise ist nicht beendet

Was stimmt: Die Eurokrise ist nicht mehr so brandgefährlich wie noch 2012. Krisenstaaten haben sich stabilisiert: Portugal, Irland und Spanien haben den Rettungsschirm verlassen. An den Finanzmärkten ist die akute Nervosität gewichen. Dank Bankenunion und dem Rettungsschirm ESM ist die EU institutionell besser aufgestellt.

Aber die Krise ist damit noch nicht beendet. Die Ruhe an den Finanzmärkten ist in erster Linie ein Erfolg der Europäischen Zentralbank. Ihr Präsident Mario Draghi hat mit seinem Versprechen, "alles" für den Erhalt der Gemeinschaftswährung zu tun, die Märkte beruhigt. Schaut man sich die Wirtschaftsdaten einzelner Krisenstaaten dagegen genauer an, ist von einem Ende der Krise wenig zu sehen. Frankreich erfüllt seit Jahren nur knapp und dank zahlreicher Zugeständnisse die EU-Stabilitätskriterien, Italiens Staatsverschuldung ist eine der höchsten in Europa. Mit einem Austritt Griechenlands "würde ein Geist aus der Flasche gelassen, der nur schwer beherrschbar wäre", warnt deshalb auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger.

Völlig ungeklärt ist außerdem, wie Griechenland überhaupt die Eurozone verlassen soll. In den europäischen Verträgen ist ein solcher Fall nicht vorgesehen. Sollte Alexis Tsipras als neuer griechischer Regierungschef die Zinszahlungen einstellen und die Zusammenarbeit mit der Troika aufkündigen, wäre das Land schnell bankrott, aber immer noch Mitglied der Währungsunion und der EU. Erneut würden Monate voller Unsicherheit folgen, in denen Griechenland versucht, eine eigene nationale Währung einzuführen. Das Land würde so in eine tiefe Krise stürzen. Das weiß auch die Radikale Linke in Griechenland.