Alles läuft derzeit auf ein Duell hinaus. Hier der junge aufrechte griechische Rebell Alexis Tsipras, der die Schuldknechtschaft abschütteln und sein Volk aus dem Elend erlösen will; dort Wolfgang Schäuble, der gereifte deutsche Finanzminister, der für sein Lebenswerk kämpft, sein Credo, seine Mission: in Deutschland für die Schwarze Null und in Europa für eiserne Sparsamkeit.

Tsipras will mehr als nur weitere Garantien und Kredite aus Brüssel, erstmals sollen Europa und die Deutschen wirklich zahlen. Tsipras fordert einen zweiten Schuldenschnitt, diesmal nicht von den Banken, sondern von den Staaten, denn die EU hält mittlerweile den Großteil der griechischen Schulden. Geld soll er heimbringen von den Nachbarn, auch von Wolfgang Schäuble, so hat es sein Volk ihm aufgetragen, so hat Tsipras es gelobt.

Wie ernst er es meint, hat Griechenlands neuer Ministerpräsident gleich am ersten Tag klargemacht. Zuerst verbündete er sich mit der rechtspopulistischen Anel. Dann legte er Rosen an ein Denkmal für Nazi-Widerstandskämpfer und widersprach anschließend der EU, als sie die Sanktionen gegen Russland verschärfen wollte. Der Fehdehandschuh war geworfen.

Brüssel bebt vor Wut, oben im Norden demonstriert Wolfgang Schäuble gereizte Gelassenheit: "Es sollte niemand glauben, dass wir so leicht unter Druck zu setzen sind." Sein ganzes Land hat der Finanzminister schon zur Schwarzen Null getrieben. Wer die SPD zum Sparen bringen kann, der muss vor Griechenland keine Angst haben. Könnte Tsipras je einen stärkeren Gegner finden? Und Schäuble ist noch dazu im Recht. Es gibt Vereinbarungen zwischen Griechenland und den restlichen Euro-Staaten, die sind demokratisch abgesegnet und müssen erfüllt werden.

Kommt jetzt die Sezession?

Es scheint aussichtslos. Kommt Tsipras mit leeren Händen aus Brüssel zurück, wird Griechenland wohl den Euro aufgeben und die EU verlassen. Dann wäre der Geist aus der Flasche, dann stünde womöglich die Sezession, der schleichende Zerfall der Union bevor. 320 Milliarden Euro haben Banken und Staaten bereits dafür aufgeboten, um das zu verhindern.

Setzt sich Tsipras allerdings durch, wäre das Resultat vermutlich eine Rebellion: Andere europäische Schuldenstaaten wie Portugal oder Spanien könnten gleiches Recht einfordern. Und wie lange hätten Europas reiche Gläubigerstaaten dann noch Lust zu zahlen? Also: Würde Tsipras das Duell gewinnen, käme die Sezession genauso.

Jyrki Katainen, Vize der EU-Kommission, warnte die griechische Regierung bereits vor einer Abkehr vom beschlossenen Reformkurs. "Wir erwarten, dass die Regierung die versprochenen Verpflichtungen einhält", sagte Katainen. Am Ende geht es um jene einfache Wahrheit, die den Kern dieses Konfliktes ausmacht. Und auf den sich Schäuble und die ganze Eurogruppe stützen. Ein kurzer einfacher Satz, der auf den ersten Blick logisch klingt: Schulden muss man zahlen.

Dagegen lehnt Tsipras sich auf. Doch es ist das vielleicht härteste aller Gesetze. Eine Schuldenkrise, wenn vereinbarte Geldströme zwischen Schuldner und Gläubiger nicht flossen, war historisch für fast jede Gemeinschaft tödlich. Ein Imperium nach dem anderen, von Athen über Rom zerbrach an Schuldenkrisen.