Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Griechenland klingen positiv: Die Wirtschaft wächst – wenn auch minimal. Langsam überwindet das Land die Rezession. Für dieses Jahr rechnet die Regierung sogar mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum von fast drei Prozent.

Auch die Zinsausgaben, durch die sich die Griechen gequält sehen, fallen im Vergleich mit anderen Ländern erstaunlich moderat aus. Gerade einmal sechs Milliarden Euro müsse Griechenland pro Jahr zahlen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Verweis auf einen Bericht der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds und EU. Athen zahle durchschnittlich nur 2,4 Prozent Zinsen auf seine Staatsschuld. Das ist sogar noch weniger als in Deutschland: Hier werden 2,7 Prozent fällig.

Doch die Zahlen erzeugen eine trügerische Gewissheit. In wenigen Tagen, am 25. Januar, wählen die Griechen ein neues Parlament. Griechenlands Geldgeber müssen sich nun, im Wahlkampf, immer öfter aggressive Töne der möglichen neuen Regierungspolitiker anhören. Die Konditionen für die Hilfszahlungen sollen erleichtert werden, fordern sie. Immer offener wird auch in Deutschland über das bislang Undenkbare diskutiert: ein weiterer Schuldenschnitt. Und damit verbunden Milliardenverluste für deutsche Steuerzahler.  

Die Bundesregierung hat diese Debatte einem Mann zu verdanken, der nichts lieber täte, als einen Teil der griechischen Schuld in der ersten Amtshandlung für nichtig zu erklären: Alexis Tsipras mobilisiert mit seiner Forderung nach einem Schuldenschnitt die Griechen. In Wahlumfragen liegt der Athener vorne. Griechenland ist bereits im Jahr 2012 ein Schuldenschnitt gewährt worden: Dabei erließen Banken und andere private Gläubiger Verbindlichkeiten in Höhe von 107 Milliarden Euro.

Und Tsipras hat prominente Unterstützer, sogar in Deutschland. In diesen Januartagen kommt es zu ungewöhnlichen Allianzen. Im Schulterschluss mit dem griechischen Rebellen Tsipras setzt sich etwa auch Hans-Werner Sinn für einen Schuldenschnitt ein. Griechenland könne seine Kredite ohnehin niemals zurückzahlen. Da sei es besser, die Spirale zu durchbrechen, findet der Ifo-Chef. Mit Marcel Fratzscher tritt zudem nicht nur der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sondern auch ein Regierungsberater für einen Schuldenerlass ein. Fratzscher plädiert dafür, Griechenland bei weiteren Reformzusagen die Hälfte seiner Staatsschulden zu erlassen. Deutschland werde als Gläubiger dann wahrscheinlich "mit 40 bis 50 Milliarden Euro dabei" sein. Der Ökonom hält die Summe für verkraftbar. Selbst für die EU-Kommission ist ein Schuldenschnitt in einigen Jahren kein Tabuthema mehr.

Die Bundesregierung will die Diskussion über einen Schuldenerlass derzeit nicht führen – schließlich hatten Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble die Deutschen nur mit Mühe überzeugen können und sich dafür verbürgt, das Geld wieder einzutreiben. Die EZB versucht das Thema abzuwehren, indem sie eine Beteiligung an einem Schuldenschnitt kategorisch ausschließt. Ein Schuldenerlass käme einer Staatsfinanzierung und damit einem Verstoß gegen Europäische Verträge gleich, erklärte Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré dem Sender France 24 vorsorglich.