In vielen Firmen tüfteln Forscher und Designer abgeschottet an neuen Produkten. Sie fürchten, dass andere ihre Ideen abkupfern könnten. Ihr oberstes Gebot: Nur nichts nach außen dringen lassen! Dabei könnten das Wissen und die Ideen von Außenstehenden helfen, die Neuentwicklungen zu verbessern, das glauben zumindest Jan Fischer, Hans-Peter Heid, Moritz Sebastian Wurfbaum und Catharina van Delden.

Bereits als Studenten der Technischen Universität München tüftelten sie an einem Konzept und gründeten 2010 die Firma Innosabi, die Unternehmen hilft, ihre Innovationsprozesse im Austausch mit Kunden und Konsumenten voranzutreiben. Open Innovation heißt das im Managerjargon. Innosabi bietet eine Plattform für die Vernetzung und hat damit Erfolg. Inzwischen beschäftigt das ehemalige Start-up 13 Mitarbeiter und arbeitet für etablierte Unternehmen wie die Postbank, den Drogeriemarkt dm oder Kärcher.

Den Namen für ihre eigene Firma fanden die vier Gründer gemeinsam mit der Crowd. "Frisch, neu oder innovativ" sollte er sein, erklärt Geschäftsführerin Catharina van Delden, und auch in anderen Sprachen positiv klingen. Vom japanischen Meerrettich Wasabi kam man schnell auf Innosabi.

Angefangen haben die Gründer mit der Plattform unseraller.de. Die Software bietet Unternehmen ein Forum, um mit ihren Kunden in Kontakt zu treten. Dort stellen die Firmen ihre Projekte allen Interessierten oder einem ausgewählten Teilnehmerkreis zur Diskussion vor. Manche lassen Konsumenten über verschiedene Produktvarianten entscheiden, andere wünschen sich Meinungen zu ganz neuen Entwicklungen. Die Software im Hintergrund erleichtert den Produktmanagern die Arbeit. Zum Beispiel hilft sie, Kommentare mittels einer semantischen Analyse vorzusortieren. Falls gewünscht, übernimmt Innosabi auch die Online-Moderation der Debatte. 

Crowdsourcing als Marketing-Instrument

Neben der Unseraller-Variante bietet Innosabi seinen Kunden auch ein Lizenzmodell mit individuell angepasster Software an. Unternehmen können die Plattform für ein Projekt oder einen festgelegten Zeitraum mieten. Innosabi hilft zu entscheiden, was die Software können muss, passt das Design an und erklärt, wie Moderatoren die Online-Diskussion begleiten können. "Auf unserer Plattform können wir 100 oder 100.000 Leute einbinden", erklärt van Delden, die seit 2013 dem Präsidium des Branchenverbands Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) angehört. Die im Hintergrund arbeitenden Algorithmen strukturieren auch große Datenmengen.

Über die Jahre entwickelte sich das Lizenzmodell zum Hauptgeschäft, denn viele Unternehmen wollen alle Informationen im eigenen Umfeld sammeln und auswerten. Das Geschäftsmodell von Innosabi hat sich etabliert, den Start-up-Tagen ist das Unternehmen längst entwachsen. Catharina van Delden empfängt Besucher mittlerweile in einem stilvollen Altbau im vornehmen Münchner Stadtteil Lehel. Der Englische Garten liegt keine fünf Minuten entfernt. Die Adresse könnte auch zu einer arrivierten Anwaltskanzlei passen, doch die modernen Möbel und eine neue Nagellackkollektion auf dem Konferenztisch zeigen, dass hier andere Geschäfte gemacht werden. "Unsere Kunden wissen die Lage zu schätzen. Viele sind auch erleichtert wenn sie sehen, dass wir eine ganz normale Firma sind", erzählt van Delden schmunzelnd.

Denn mancher große Konsumgüterhersteller fand die Idee von Innosabi zunächst ungewöhnlich, sich mit Fremden über eigene Produkte und Neuentwicklungen im Internet auszutauschen, bevor sie auf den Markt kommen. Doch seit sich soziale Netzwerke etabliert haben und alle überall mitreden wollen, wächst auch auf Unternehmensseite das Interesse an Crowdsourcing – zumal es sich auch "hervorragend zur Kundenbindung oder zum Marketing eignet", wie van Delden sagt.