In der EU-Kommission wächst einem Pressebericht zufolge die Unterstützung für einen Schuldenerlass für Griechenland. "Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich, weil das Land sonst mit seiner Schuldenlast nicht fertig wird", zitierte die Zeitung Die Welt hochrangige EU-Kreise. Die Auffassungen über den Zeitpunkt des Schuldenschnitts gingen allerdings in Brüssel auseinander. Teilweise werde er schon in diesem Jahr als notwendig erachtet.

Zugleich gebe es aber auch die Einschätzung, dass dieser Schritt erst in ein paar Jahren kommen werde. Es dürfe keine Gefahr bestehen, dass auch andere Länder auf einen Schuldenerlassen spekulierten. Die Größenordnung für den Schuldenschnitt sei auf "ein Drittel bis die Hälfte der Staatsschulden" beziffert worden.

Dem Bericht zufolge gehen die mit den Beratungen vertrauten EU-Kreise davon aus, dass Griechenland in absehbarer Zeit wohl nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren könne. Daher werde das laufende Hilfsprogramm voraussichtlich zunächst über Ende Februar 2015 hinaus verlängert, dann werde sich wahrscheinlich ein drittes Hilfspaket anschließen. Der Finanzbedarf Athens liege mittelfristig bei rund 20 Milliarden Euro.

Regierungsberater Fratzscher plädiert für Schuldenschnitt

In Griechenland wird am 25. Januar ein neues Parlament gewählt. Umfragen zufolge liegt die linke Syriza-Partei vorn. Ihr Chef Alexis Tsipras will die im Gegenzug für Finanzhilfen von 240 Milliarden Euro zugesagten Reformen stoppen und mit den Europartnern sowie dem IWF einen Schuldenerlass vereinbaren.

Der Berliner Ökonom und Regierungsberater Marcel Fratzscher plädierte dafür, Griechenland bei weiteren Reformzusagen die Hälfte seiner Staatsschulden zu erlassen. Deutschland werde als Gläubiger dann wahrscheinlich mit 40 bis 50 Milliarden Euro dabei sein, erläuterte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).