Es hätte eine Entscheidung mit großer Tragweite sein können: Mitte Dezember hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden verkündet, künftig jeden Monat die Ausfuhren deutscher Rüstungsgüter zu veröffentlichen. Kein anderes Statistikamt innerhalb der Europäischen Union gewährt bisher eine solche Transparenz. Jede Waffe und jeder Panzer, die Deutschland verlassen, sollte nicht nur im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung erscheinen, sondern auch in den Tabellen der Statistiker. Rüstungskritiker begrüßten die Entscheidung und hofften auf ein "weit detaillierteres Bild" der deutschen Waffenlieferungen.

Angestoßen worden war das Vorhaben durch eine Recherche von ZEIT ONLINE. Der Redaktion liegt schon ein kleiner Teil des bisher geheimen Materials vor: Der Export von Kleinwaffen in den Jahren 2006 bis 2013.

Als die Wiesbadener Behörde beschloss, auch den Rest der Daten freizugeben, hofften wir darauf, unseren Lesern in einer detaillierten Datenvisualisierung die Waffenexporte zeigen zu können.

Doch aus dem Plan scheint nun nichts zu werden. Zwar hat das zuständige Bundeswirtschaftsministerium der Veröffentlichung der Daten zugestimmt. Auch das Statistikamt hat seit Januar seine Veröffentlichungspraxis umgestellt. Zeitgleich aber gewährten die Fachleute den Rüstungsfirmen die Möglichkeit, einzelne Daten zu sperren. Angeblich, damit Geschäftsgeheimnisse der Firmen nicht verletzt werden. Fast alle wichtigen Rüstungsunternehmen haben seither reagiert und Sperranträge gestellt.

Offiziell teilt das Amt mit, man könne noch keine Aussage darüber treffen, "welche Tabelleninhalte geheim gehalten oder veröffentlicht werden." Doch intern heißt es bereits, man werde wohl den meisten Anträgen der Firmen zustimmen. So entsteht eine paradoxe  Situation: Obwohl das Bundeswirtschaftsministerium dem Amt ausdrücklich mehr Transparenz gestattet, halten die Statistiker weiterhin die meisten Daten geheim. "Es ist gelaufen wie beim Hornberger Schießen", sagt ein Abteilungsleiter. "Erst saß die Politik auf den Daten, jetzt sind es die Unternehmen selbst."

Allerdings bleibt die Frage, ob nicht eigentlich das Statistische Bundesamt hierfür die Verantwortung trägt. Zwar ist das Amt zur "passiven Geheimhaltung" verpflichtet. Es muss also darauf achten, dass keine Geschäftsgeheimnisse von Firmen verletzt werden. Allerdings sind diese Geheimhaltungsregeln alles andere als transparent. Das legt den Verdacht nahe, dass das Amt großzügiger schwärzt, als es eigentlich notwendig wäre.

Das Amt will zum Beispiel alle Einträge sperren, bei denen weniger als drei Unternehmen beteiligt sind – angeblich, weil sonst erkennbar wäre, welche Firma sich hinter dem Export verbirgt. Zugleich will sie alle Einträge in einer Exportgruppe schwärzen, in der ein Unternehmen besonders "dominant" ist. Was die Statistiker aber genau unter Dominanz verstehen, unterliegt der Geheimhaltung. Nachprüfen lässt sich das Vorgehen der Behörde nicht.

Am Ende könnte es wie so oft kommen, wenn die Politik mehr Transparenz bei Rüstungsexporten verspricht: Das Versprechen bleibt ein leeres.