In Moskau wird an einer Wechselstube der aktuelle Kurs des Rubels zum Euro und zum Dollar angezeigt. © REUTERS/Maxim Zmeyev

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Russlands auf Ramschniveau herabgestuft. S&P senkte die Note für die Bonität des wirtschaftlich angeschlagenen Landes auf BB+ von zuvor BBB-. Staatsanleihen Russlands gelten damit als höchst spekulativ, weil sie eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit bergen, nicht vom Staat bedient zu werden. Damit verlor Russland den für Anleger wichtigen Investmentstatus.

Die russische Regierung habe in ihrer Geldpolitik an Flexibilität eingebüßt, begründete die Agentur ihren Schritt. Auch die Wachstumsaussichten hätten sich verschlechtert. Der Ausblick für die weitere Entwicklung Russlands wurde zudem als negativ beurteilt, womit weitere Abstufungen möglich sind. Russland droht in diesem Jahr wegen der westlichen Sanktionen und des Ölpreiseinbruchs eine tiefe Rezession.  

Der durch Kapitalflucht und den massiven Verfall der Ölpreise unter Druck geratene russische Rubel reagierte mit starken Verlusten auf die Mitteilung. Durch den S&P-Entscheid ziehen sich Investoren, die keine Staatsanleihen auf Ramschniveau halten wollen oder dürfen, aus dem russischen Markt zurück und verringern somit die Nachfrage nach Rubel. Zum Abend mussten für einen US-Dollar 68 Rubel bezahlt werden – sechs Prozent mehr als vor der Bekanntgabe des neuen Ratings. Der Rubel nähert sich damit dem Wert, den er nach Turbulenzen Mitte Dezember erreicht hatte. Zwei starke Tagesverluste hintereinander hatten die russische Zentralbank gezwungen, mit dem Verkauf von Dollar-Reserven einzugreifen. S&P begründete seine Abwertung auch mit dem Abbau der finanziellen Rücklagen Russlands.

Die Lage im russischen Bankensystem verschlechtere sich, womit die Geldpolitik der Zentralbank an Grenzen stoße, erklärte S&P. Diese stehe wegen der inflationstreibenden Abwertung des Rubels vor schwierigen Entscheidungen, da sie zugleich das Wirtschaftswachstum stützen müsse. Die Geldhüter hatten im Dezember die Zinsen um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent angehoben, um den Rubel attraktiver zu machen und die Inflation in den Griff zu bekommen. Dies verteuert jedoch Kredite für russische Firmen und würgt die Konjunktur ab.

In dem System von S&P weist BB+ auf eine schlechtere Zahlungsfähigkeit als BBB- hin. Russland liegt nun auf demselben Niveau wie etwa Bulgarien und Indonesien. Die Bestnote ist AAA, mit der S&P momentan unter anderem Deutschland beurteilt. Nach den derzeitigen Bewertungen der Ratingagenturen Moody's und Fitch besitzt Russland noch die "adäquate Fähigkeit" seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Tim Ash, Ökonom der Standard Bank Group, sagte der Wirtschaftsseite Bloomberg, er erwarte, dass auch Moody's und Fitch dem Schritt von S&P bald folgen werden.