Es klang wie im Märchen, wenn Alexis Tsipras in den vergangenen Wochen vom neuen Griechenland sprach: Der Mindestlohn werde steigen, die Kürzungen bei Renten rückgängig gemacht und Steuern gesenkt. Die verhasste Troika und ihre Kredite brauche man für all das nicht. Im Gegenteil: Tsipras versprach einen neuen Schuldenschnitt und eine "Verhandlungslösung" für den Rest der Verbindlichkeiten.

Nun ist die Wahl gewonnen, die Märchenstunden des Wahlkampfs sind vorbei und Alexis Tsipras kommt in der griechischen Regierungsrealität an. Egal mit wem er am Ende koaliert, eines ist jetzt schon klar: Tsipras braucht Geld und zwar schnell.

Schon ohne die sozialen Wohltaten, die Syriza versprochen hat, ist der Staatshaushalt auf Kante genäht. Zwar hat Griechenland im vergangenen Jahr einen Haushaltsüberschuss in Höhe von 2,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet, aber das war im Grunde nur ein Rechentrick, denn die Zinszahlungen auf die Staatsschulden wurden dabei nicht berücksichtigt.

Tsipras steht unter Zeitdruck

Den laufenden Betrieb kann der Staat einigermaßen mit seinen Einnahmen finanzieren. Um die Zinsen zu bezahlen und Staatsanleihen zu tilgen, die in regelmäßigen Abständen fällig werden, braucht er aber immer wieder zusätzliches Geld. Für Tsipras ist deshalb Eile angesagt: Schon im Frühjahr und Sommer muss Griechenland rund neun Milliarden Euro an die Besitzer von Staatsanleihen und den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Bis zum Ende des Jahres kommen noch mal etwa elf Milliarden hinzu.

Vor einigen Monaten sprach Tsipras noch davon, den Schuldendienst einfach einzustellen. Inzwischen ist sein Ton gemäßigter. Einen Staatsbankrott und Ausschluss aus der Eurozone will auch der neue Hoffnungsträger nicht riskieren.

Also bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten: Verhandlungen mit den Gläubigern oder zahlen. Die erste Variante wird schwierig – zumindest in diesem Jahr. Einer der wichtigsten Gläubiger ist aktuell die Europäische Zentralbank, die griechische Staatsanleihen im Rahmen des Securities Markets Progammes zwischen 2010 und 2012 aufgekauft hat. Rund acht Milliarden Euro werden davon in diesem Jahr fällig und die EZB besteht auf volle Rückzahlung. Sie darf auf das Geld auch gar nicht verzichten, selbst wenn sie wollte, denn das wäre monetäre Staatsfinanzierung, die der EZB verboten ist. "Die europäischen Verträge lassen das eindeutig nicht zu", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré Anfang Januar in einem Interview mit dem Nachrichtensender France 24.

Strenge Geldgeber

Bei den anderen Gläubigern dürfte Tsipras ebenfalls auf Widerstand stoßen. Der IWF lässt sich grundsätzlich nicht auf Nachlässe ein, und dann sind da noch die Hedgefonds, die auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise große Teile der griechischen Staatsanleihen zu Schnäppchenpreisen aufgekauft haben. Darunter so berüchtigte Firmen wie Aurelius Capital Management, die zuletzt Argentinien auf die Rückzahlung von mehr als einer Milliarde Dollar verklagt hat. Große Lust auf Kompromisse, die ihre Rendite und ihre Boni schmälern würden, haben auch die Hedgefonds-Manager sicher nicht.