Tausende Menschen sind in Berlin für eine Wende in der Agrarpolitik auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei kamen zu der Kundgebung "Wir haben es satt" bis zum frühen Samstagnachmittag rund 20.000 Menschen. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Demonstranten.  Die Demonstranten forderten fairen Handel, artgerechte Haltung von Nutztieren, gerechte Preise für die Güter von Landwirten und eine gentechnikfreie Saatgut-Vielfalt. Und sie protestierten gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union.

Die Kundgebung zog vom Potsdamer Platz vor das Bundeskanzleramt und verlief zunächst "vollkommen störungsfrei", wie eine Polizeisprecherin sagte. Insgesamt 80 Bauern sollen die Demonstration mit ihren Traktoren begleiten. 

Anders als befürchtet, nutzte das Pegida-Bündnis die Demonstration gegen TTIP offenbar nicht für seine eigenen Zwecke. Eine Demonstrantin sagte, sie habe keinen Pegida-Block ausmachen können und lediglich einen Mann mit Deutschlandflagge gesehen. "Es ist eine sehr bürgerliche Demo, eher wie ein Volksfest. Auch Polizei ist kaum unterwegs." In Berlin findet die "Wir haben es satt"-Demonstration gegen das geplante Freihandelsabkommen schon zum fünften Mal statt.

Aufgerufen hatte ein Bündnis von mehr als 120 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsverbänden. Auf dem Messegelände in Berlin findet derzeit die Agrarmesse Grüne Woche statt.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte am Rande der Agrarmesse, auf der Demonstration würden Themen angesprochen, bei denen man sich fragen müsse, ob etwas zu ändern sei. Mit dem Motto "Wir haben es satt" werde die Mehrheit der Landwirte in eine Ecke gestellt. "Deswegen empfehle ich, aus den Ecken und aus der Selbstgewissheit herauszukommen und miteinander zu reden."

 Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, sprach sich für ein Umdenken vor allem in der Fleischproduktion aus. Pro Tier müsse es eine bestimmte Fläche geben. Antibiotika dürften nicht mehr zum Einsatz kommen. Es ergebe keinen Sinn, dass Menschen krank würden durch resistente Keime. "Wir brauchen dieses Billigfleisch nicht."