Und sie bewegt sich endlich doch. Dass die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch einen Teil bislang geheimer TTIP-Dokumente ins Netz gestellt hat, ist ein gutes Zeichen. Auf Basis dieser Papiere verhandelt die Kommissarin schließlich das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen – angeblich im Namen aller Bürger der EU. Bislang konnten letztere aber fast nur aus Leaks, also durch heimlich an die Öffentlichkeit gespielte Papiere, Genaueres über die europäischen Positionen erfahren. Das ließ viel Spielraum für Spekulationen.

Auch deswegen verschärfte sich in den vergangenen Monaten die öffentliche Kritik an den geheimen Verhandlungen. Auch deswegen wachsen die Ängste vor TTIP stetig. Malmström will nun durch mehr Transparenz gegensteuern. Frei nach dem Motto: Bürger, glaubt den Kritikern und Angstmachern nicht. Lest lieber selbst nach. Dann werdet ihr schon sehen, dass das Projekt so schlimm gar nicht ist.

Gut möglich, dass vor allem Verzweiflung sie zu diesem Schritt gezwungen hat. Schließlich wird ja auch in der Kommission in Brüssel immer klarer: Wenn sie nichts unternimmt, gewinnen die Freihandelsgegner den Kampf um die öffentliche Meinung. Dann aber wird TTIP nie verwirklicht und spätestens in den Parlamenten scheitern.

Damit das nicht passiert, werden Malmströms heutiger Transparenzoffensive noch weitere Schritte folgen müssen. Denn sie zeigt den Bürgern immer noch nur einen Teil der Wirklichkeit. Sie veröffentlicht jetzt zwar EU-Papiere, doch bleiben die amerikanischen Forderungen nach wie vor geheim. Und welche Zugeständnisse die Kommission den Amerikanern in den Verhandlungen schließlich machen wird, erschließt sich aus den Dokumenten ebenfalls nicht.

Immerhin, es ist ein Anfang – für den sich die Europäer allerdings nicht bei Malmström, sondern bei den TTIP-Kritikern bedanken sollten. Ohne deren Druck hätte die EU niemals freiwillig die heutige Offenheit gezeigt. Jetzt aber ist klar: Sie haben nicht nur bei TTIP einen großen Erfolg erzielt, sondern in der ganzen Handelspolitik. Ab heute wird die Kommission auch bei anderen Abkommen nicht mehr so geheim agieren können, wie in der Vergangenheit. Ab jetzt wird sie die Bürger über ihre Pläne informieren müssen. Von Beginn an. Und dann überzeugen.