EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat eingeräumt, dass die EU-Kommission in der Handelspolitik in der Vergangenheit falsch vorgegangen sei. Zu den von massiven Protesten begleiteten Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen mit den USA (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP) sagt sie der ZEIT: "Es war ein Fehler, das Verhandlungsmandat so lange geheim zu halten. Selbst als es schon Wochen im Netz zu finden war, war es offiziell noch ein geheimes Dokument. Das nährte viele Verschwörungstheorien." 

Malmström hofft, auch mithilfe von TTIP europäische Werte weltweit verteidigen zu können. Es sei besser, die Regeln für die Globalisierung gemeinsam mit den USA zu schreiben, "als wenn China oder Russland das tun", sagte sie.

Entwürfe des Abkommens und Details zu den Verhandlungen waren durch verschiedene Leaks an die Öffentlichkeit gelangt. Unter anderem die Grünen in Europäischen Parlament veröffentlichten Dokumente, um den Verhandlungsprozess transparenter zu machen. Auch ZEIT ONLINE publizierte eine Reihe der Unterlagen.

Das Abkommen soll den Handel international erleichtern und Investitionssicherheit für Unternehmen schaffen. Kritiker befürchten jedoch ein starkes Eingreifen in die nationale Gesetzgebung. Umstritten sind vor allem die Klauseln zum Investitionsschutz. Durch diese würden, so die Kritiker, ausländischen Konzernen spezielle Klagerechte gegenüber der EU eingeräumt und die Souveränität der Mitgliedsstaaten unterlaufen.

Solche Regeln haben weltweit bereits häufiger bewirkt, dass Länder vor internationalen Schiedsgerichten zu hohem Schadenersatz verurteilt wurden. Auch Teile der Bundesregierung sehen das kritisch. Malmström sagte der ZEIT, sie verstehe nicht, warum die Deutschen ihrer Regierung und der Kommission weniger vertrauen als andere. "In meiner Heimat, in Schweden, gibt es volle Unterstützung."

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der ebenfalls umstrittenen Liberalisierung von elektronischen oder Finanzdienstleistungen. Hinzu kommt die Befürchtung, dass der Import von gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder mit Chlor behandeltem Geflügelfleisch künftig leichter würde.

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Über gentechnisch veränderte Lebensmittel "werden wir nicht verhandeln", sagte Malmström. "Wir reden über Medizin, über Sicherheitsstandards in Fabriken, bei Scheinwerfern, bei Sonnencreme." Und es werde nur über die Bereiche verhandelt, "bei denen externe Experten die Standards für vergleichbar halten".