Das Klischee geht so: Die Rettungsmilliarden helfen Griechenland vor allem dabei, Ärzte und Polizei zu bezahlen, einen aufgeblähten Staatsapparat am Leben zu erhalten und Rentnern einen schicken Lebensabend zu ermöglichen. Die Wahrheit ist: Athen steckt in diese Bereiche nur einen Bruchteil der Finanzhilfen. Das zeigen die Zahlen in unserer Grafik, die auf Recherchen des Think Tanks MacroPolis basieren.

Bislang haben die Euro-Mitgliedsländer und der Internationale Währungsfonds Griechenland mit rund 226 Milliarden Euro ausgeholfen, doch davon flossen nur 15 Milliarden in den unmittelbaren Betrieb des Staates, also etwa in die Polizei und in Renten. Inklusive indirekter Staatsausgaben kommt man auf 27 Milliarden Euro – gerade einmal elf Prozent der Gesamtsumme. Der Grund dafür: Die griechische Regierung musste ihre Ausgaben massiv kürzen.

Dagegen wendete Griechenland mehr als 40 Milliarden Euro für Zinszahlungen auf. Um fällige Kredite abzulösen, musste Athen sogar auf 81 Milliarden Euro zugreifen. Addiert man zu diesen beiden Werten noch Rückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds im Umfang von circa neun Milliarden, wird klar: 132 Milliarden Euro flossen allein in den Schuldendienst. Mehr als Hälfte der Hellas-Hilfen.

Außerdem kostete der Schuldenschnitt im Frühjahr 2012 fast 35 Milliarden Euro, rund 14 Prozent der Troika-Unterstützung. Griechenland wurde zwar ein Teil der Schulden erlassen, doch waren damit weitere Kosten verbunden. Weitere 48 Milliarden Euro brauchte das Land, um die Banken des Landes am Leben zu halten.

Ihnen hat die Europäische Zentralbank (EZB) gerade den Zugang zu frischem Geld erschwert. Bisher konnten die Banken für Kredite der EZB dank einer Sonderregelung griechische Staatsbonds als Sicherheit hinterlegen, obwohl diese Papiere nur Ramschniveau haben. Diese Praxis hat die EZB nun beendet mit der Begründung, es sei unklar, ob die neue Regierung in Athen die Reformziele erreiche.

Inzwischen können die griechischen Geldhäuser aber auf Notkredite ihrer eigenen Notenbank zurückgreifen. Das Problem dabei: Für diese Gelder müssen die Institute höhere Zinsen zahlen. Außerdem bleibt einigen Geldhäusern, die die EZB für nicht kreditwürdig hält, der Zugang verwehrt.

Auch der griechische Staat benötigt anscheinend frisches Geld: Der Spiegel zitiert Experten, die den Finanzbedarf auf 20 Milliarden Euro schätzen. Die Bundesregierung soll laut dem Nachrichtenmagazin bereit sein, Athen eine weitere Finanzspritze zu gewähren – was ein Sprecher in Berlin umgehend dementierte.

Für die neue griechische Regierung scheint das ohnehin keine Option zu sein. Sie will auf weitere Kredite verzichten und zudem nur einen Teil der Hilfen zurückzahlen. Die Schuldenlast erdrücke ihr Land, argumentiert sie. Finanzminister Yanis Varoufakis hat angekündigt, im Mai ein Konzept vorzulegen, das zeigen soll, wie Gläubiger und Schuldner zueinanderfinden können.

Doch das geht europäischen Politikern zu langsam. Am Mittwochabend treffen sich die Finanzminister der Eurozone in Brüssel. Sie haben Athen aufgefordert, bereits dann Lösungsvorschläge auf den Tisch zu legen. Einen Tag später kommen schließlich die Staats- und Regierungschefs der EU zusammen. Auch da geht es um die Krise, denn Ende des Monats läuft das EU-Hilfsprogramm für Griechenland aus – wie es weitergeht, ist unklar. Die Kassen des Landes und seiner Banken könnten sich dann schnell leeren.