Mit einem Plakat mit der Aufschrift "Oxi" (Nein) protestiert ein Mann in Athen gegen die EU, die von Griechenland die Fortsetzung des Sparkurses fordert. © Michael Debets/Pacific Press/LightRocket/Getty Images

Die Taxis drehen im zähen Verkehrsstrom ihre Runden am Omonia-Platz im Zentrum Athens. Am Straßenrand stehen drei ältere Herren und reden gegen den Lärm an. Rauchend diskutieren sie die Schlagzeilen der griechischen Tageszeitungen, die am Zeitungskiosk aushängen. "Ein halbes Sparprogramm hält er in seinen Händen", titelt Dimokratia und zeigt ein Foto des neuen Premiers Alexis Tsipras. Die Zeitung prognostiziert, dass der Linkspolitiker die Forderungen der internationalen Kreditgeber um einen guten Teil reduzieren werde.

Einer der Männer nestelt an der Titelseite. "Es kommt so, wie alle es gehofft haben", sagt er. "Wenn Tsipras nur die Hälfte seiner Versprechungen durchsetzen kann, dann sind wir zufrieden." Die anderen Männer stimmen zu. "Endlich wird hart verhandelt", sagt einer von ihnen. "Die Unterwürfigkeit der alten Regierung war nicht mehr auszuhalten."

Überall auf den Straßen in Athen werden in diesen Tagen solche Gespräche geführt. Wie schon vor der Wahl ist die Stimmung politisch aufgeladen, allerdings jetzt mit einer klaren Tendenz: Die Unterstützung für die Tsipras-Regierung wächst von Tag zu Tag. Dabei regiert sein Kabinett noch nicht einmal zwei Wochen und hat bisher in den Verhandlungen kaum etwas erreicht.

Doch die Meinungsumfragen sprechen für sich: Rund 72 Prozent der Bürger finden es richtig, dass die neue Regierung die Zusammenarbeit mit der Troika aufgekündigt hat, wie eine Studie der Makedonia-Universität in Thessaloniki ergeben hat. Selbst die Wähler der früheren Regierungspartei Nea Dimokratia stimmen zu 43 Prozent mit der harten Haltung von Ministerpräsident Tsipras in den Verhandlungen mit der EU überein.

"Die Regierung steckt in der Einbahnstraße"

Für seinen Konfrontationskurs hat der Premier damit nicht nur eine breite Unterstützung im Parlament, er weiß auch die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Kann das die Position der Tsipras-Regierung in den Verhandlungen auf dem Finanzministertreffen an diesem Mittwoch und dem EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel stärken?

"Das glaube ich nicht", sagt Nikos Marantzidis, der die Umfrage für die Makedonia-Universität durchgeführt hat. Er sieht sogar eine Gefahr in der hohen Unterstützung für Tsipras. "Durch ihre kompromisslose Haltung steckt diese Regierung in einer Einbahnstraße", sagt Marantzidis. "Es wird schwer sein, in den Brüsseler Verhandlungen von den bereits verkündeten Positionen abzurücken, ohne die Griechen zu enttäuschen." Und das, obwohl die Wähler in Griechenland gewohnt sind, dass viele Wahlversprechen nur selten eingehalten werden.

Außerdem gebe es in der griechischen Bevölkerung regelmäßig eine hohe Unterstützung für die Regierung, wenn diese auf einen internationalen Konflikt zusteure, sagt Marantzidis. "Das war in der Zypern-Frage so, im Namensstreit mit dem Nachbarland Mazedonien und nun auch im Schuldenstreit", sagt er. Es bilde sich dann eine Art nationaler Burgfriede. In internationalen Konflikten sei eine konfrontative Herangehensweise aber wenig hilfreich, wie sich in der Vergangenheit gezeigt habe, sagt Marantzidis. "Die Probleme sind meistens zu komplex, um sie auf eine beinahe schon demagogische Art und Weise zu vereinfachen."