Um 23 Uhr verlässt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das Eurogruppen-Treffen – und er denkt zu diesem Zeitpunkt, dass die Gespräche mit Griechenland schon relativ weit vorangeschritten sind. Zwar gibt es kaum konkrete Details, aber sein griechischer Amtskollege Yanis Varoufakis soll sich offen gezeigt haben, dass Griechenland zu seinen Verpflichtungen stehe und an den Reformen festhalten wolle, gar einer Verlängerung des Reformprogramms zustimme.

Mehrere Versionen eines Abschlusspapiers soll es gebraucht haben, bis sich Griechenland darauf eingelassen hat – und Schäuble nach Berlin zurückfliegt. Im Presseraum werden schon die Wassergläser gefüllt und die Namenschilder aufgestellt: Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds; Jeroen Dijsselbloem, Vorsitzender der Eurogruppe; Pierre Moscovici, EU-Währungskommissar.

Doch plötzlich muss Finanzminister Varoufakis noch das Okay aus Athen einholen. Es folgen hektische Telefonate, Lagarde und all die anderen Teilnehmer stehen etwas ratlos herum, müssen warten. Vertreter der griechischen Regierung hatten zuvor gesagt, man werde einer Verlängerung des Hilfsprogramms nicht zustimmen. Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er die Zusammenarbeit mit der sogenannten Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB ablehnt.

Dann die Nachricht von Varoufakis: Nein, Griechenland zieht nun doch nicht mit.

Dijsselbloem muss nach Mitternacht verkünden, dass die Gespräche jetzt bis zur nächsten Sitzung der Euro-Finanzminister am kommenden Montag ruhen werden. Man habe intensive Diskussionen geführt, aber noch keinen Abschluss gefunden, berichtet er freundlich knapp.

Die Zeit wird knapp

Es ist vieles: ein Affront, ein Eklat, aber vor allem: kein Erfolg. Dabei ist die Zeit so knapp, dass selbst jeder der verbleibenden vier Tage bis zum nächsten Montag zählt. Dann, bei der nächsten regulären Eurogruppen-Sitzung, muss es irgendeine Entscheidung geben, damit es eine Anschlussfinanzierung gibt, wenn Ende Februar das aktuelle Programm für Griechenland ausläuft.

Der Zeitdruck ist immens hoch, weil nicht nur der Bundestag, sondern auch die Parlamente in Estland, den Niederlanden und Finnland zustimmen müssen, wenn es erneut Geld geben soll. Ohne neue Hilfen bekommt Griechenland ernste Probleme: Allein in den kommenden Monaten muss es Milliarden an seine Gläubiger zurückzahlen. Eigentlich hätten schon am Donnerstag erste Gespräche zwischen der Athener Regierung und der Europäischen Zentralbank, dem IWF und der EU-Kommission stattfinden sollen, wie ein Reformpaket aussehen könnte.

Yanis Varoufakis tritt des Nachts noch vor die Presse und versucht, die Wogen zu glätten. Ziel des Treffens am Mittwoch sei niemals gewesen, eine Einigung zu erzielen. "Ich wurde eingeladen, weil ich hier der Neue in der Gang bin", kokettiert er. Er sei sehr herzlich empfangen worden. Am Montag werde es hoffentlich eine Vereinbarung geben, die sowohl aus der Perspektive Griechenlands als auch aus Sicht der EU-Partner optimal sei.