Geldautomaten in Athen © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Die Griechen heben nach Informationen aus Bankenkreisen immer mehr Geld von ihren Konten ab. Seit November 2014 hätten die Griechen 20 Milliarden Euro abgezogen, berichteten übereinstimmend die griechische Zeitung Kathimerini und die Nachrichtenagentur dpa. Damit seien die Einlagen bei griechischen Banken auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Schuldenkrise gefallen.

Grund sei der Konflikt zwischen der Regierung in Athen und der EU über den Abbau der hohen griechischen Staatsschulden. Die Menschen hätten große Angst, dass sich dadurch ihre Finanzlage schlagartig verschlechtern könne, etwa durch einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro.   

Etwa zehn Milliarden Euro seien in "Truhen, Safes oder unter den Matratzen" in den Häusern versteckt, berichtet Kathimerini. Weitere sechs Milliarden Euro seien in ausländische Wertpapiere investiert worden. Und rund vier Milliarden Euro lägen inzwischen auf Konten im Ausland. Und der Prozess hält an: In den vergangenen Tagen hätten die Menschen täglich etwa 200 bis 300 Millionen Euro von ihren Konten geräumt, sagte ein hochrangiger griechischer Bankangestellter.

Tsipras-Berater erwartet Schuldenschnitt

Nach den Wahlen am 25. Januar hatte Griechenlands linker Regierungschef Alexis Tsipras das Rettungsprogramm für beendet erklärt. Er fordert eine Neuregelung für die griechischen Schulden. Zudem will er etwa 30 Prozent der bisherigen Reformauflagen streichen, weil er sie als unsozial ablehnt. Tsipras lässt sich vom Chef der französischen Investmentbank Lazard, Matthieu Pigasse, bei seinen Finanzplanungen beraten. Pigasse warnte gegenüber dem Sender Canal Plus davor, einen Schuldenschnitt als unmöglich darzustellen, "denn ich gehe davon aus, dass das Unmögliche kommen wird." Es gebe keine andere Lösung der Schuldenkrise.  

Die von der deutschen Regierung und der Troika geforderte Sparpolitik führe "direkt gegen die Wand". Denn die griechischen Schulden hätten sich in den vergangenen fünf Jahren nicht erhöht, eingebrochen sei dagegen aber das Bruttoinlandsprodukt – um 25 Prozent. Deutschland lehnt bislang einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland ab. Auch Frankreich und Italien sind skeptisch.

ESM-Chef Regling warnt vor Grexit

Der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), Klaus Regling, warnte unterdessen vor einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone. Ein solcher Grexit wäre sowohl für Griechenland als auch für den Euroraum die "teuerste Lösung", sagte er dem Sender Phoenix. Regling zeigte zugleich Verständnis für Tsipras' Bemühungen, die harten Sparbedingungen der EU zu lockern. Zugleich mahnte er Reformen an, "die mittelfristig zu mehr Wachstum führen". Sie seien "oft oder fast immer politisch schwer umzusetzen", da sich der Erfolg erst nach einigen Jahren einstelle.

Am Montag beraten die Euro-Finanzminister über Griechenlands Wunsch nach einer Lockerung der Sparbedingungen. Am vergangenen Mittwoch hatten die Minister dazu keine Einigung finden können. Für einen Kompromiss bleiben nur noch wenige Wochen, denn am 28. Februar läuft das bestehende Rettungsprogramm aus. Griechenland braucht jedoch dringend Geld, allein im laufenden Jahr muss das Land mehr als 20 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen.