Die SPD kritisiert die harsche Haltung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Griechenland-Rettung. Parteichef Sigmar Gabriel sagte: "Man muss den griechischen Brief als Ausgangspunkt für Verhandlungen nutzen" und fügte hinzu: "Ich denke, dass der Kollege Schäuble das genauso sieht." Gabriel lobte zudem den "Riesenschritt der griechischen Regierung, dass sie akzeptiert, dass es ohne ein Programm keine Hilfe geben wird".

Angesichts der verhärteten Fronten sagte er:  "Wir müssen alle damit aufhören, Ultimaten zu formulieren." Zwar nannte auch er den Brief aus Athen am Donnerstagabend in Berlin unzureichend, wertete ihn aber als brauchbare Diskussionsgrundlage. Man müsse jetzt Eurogruppenchef Jeroen Dijsselblom und der Europäischen Kommission die Chance für ernsthafte Verhandlungen mit Griechenland einräumen und dann den Abschluss dieser Gespräche bewerten, hieß es zudem in Gabriels Umfeld. Es sei zu früh für ein Nein.

Auch auf EU-Ebene wächst die Kritik an Schäuble. Der Vorsitzende der SPD-Abgeordneten im EU-Parlament, Udo Bullmann, rief die Eurogruppe dazu auf, die Chance auf eine Einigung im Schuldenstreit zu nutzen. "Schäuble sollte Lösungen nicht länger blockieren", twitterte Bullmann. Die Empörung in der SPD über Schäuble ist groß.

Griechenland hatte am Donnerstag in letzter Minute per Brief einen Antrag auf Verlängerung des Kreditabkommens gestellt. Das Bundesfinanzministerium verkündete nur kurze Zeit nach Eintreffen des Antrags in Brüssel, dass dies "kein substanzieller Lösungsvorschlag" sei. CDU-Abgeordnete aus dem Bundestag und dem Europaparlament unterstützen die harte Haltung Schäubles.

Auf griechischer Seite sorgt die Ablehnung aus Berlin für Empörung. In der morgigen Eurogruppe werde "sich zeigen, wer eine Lösung möchte und wer nicht", hieß es Athen. Auf dem Eurogruppentreffen am Freitag gebe es exakt zwei Möglichkeiten: dem griechischen Anliegen stattzugeben oder es abzulehnen. Offenbar will sich die Tsipras-Regierung nicht auf weitere, substanzielle Änderungen ihres Antrags einlassen.

Mit der SPD-Kritik ist die Rettungsaktion Griechenlands damit in der deutschen Innenpolitik angekommen. Erwartungsgemäß kritisiert die Opposition von Grünen und Linken bereits das Schäuble-Nein. "Die brüske Zurückweisung des griechischen Hilfsersuchens ist in Form und Inhalt unangemessen", erklärte Grünen-Chefin Simone Peter am Donnerstag in Berlin.

Dass aber der Koalitionspartner sich überfahren fühlt, hat eine besondere Brisanz. Die SPD hatte sich 2010 bei zwei Rettungsentscheidungen enthalten, in jüngster Vergangenheit aber den Rettungskurs unterstützt.