Die CSU hat das Nein von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum Antrag Griechenlands auf Verlängerung der Finanzhilfen gegen Kritik des Koalitionspartners SPD verteidigt. "Schäuble verhält sich konsequent", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der Passauer Neuen Presse. "Die griechischen Halbstarken Tsipras und Varoufakis sehen jetzt, dass auf dem europäischen Parkett nicht lockeres Auftreten, oberflächliches Gequatsche, sondern nur inhaltliche Substanz zählt. Die wurde nicht geliefert."

Scheuer reagierte damit auf Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der dazu geraten hatte, "dass wir diese neue Haltung der griechischen Regierung als Ausgangspunkt für Verhandlungen nutzen und nicht vorher bereits öffentlich ablehnen". Schäuble hatte am Donnerstag gesagt, der griechische Antrag sei "kein substanzieller Lösungsvorschlag". Am Nachmittag kommen in Brüssel dennoch die Finanzminister der Euroländer zusammen, um über den Antrag Griechenlands zu beraten.

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sagte im Deutschlandfunk: "Die Griechen haben die Tür für einen Kompromiss weit aufgestoßen, und von Herrn Schäuble kommt darauf eine pampige Antwort. Das ist nicht europäisch." Giegold bezeichnete den Athener Antrag als gute Verhandlungsbasis, auch wenn der Text noch Schwächen habe. "Aber man muss auch sehen, dass Griechenland damit praktisch alle Bedingungen der Europartner von letzten Montag erfüllt hat", führte Giegold weiter aus. Das sei ein großer Schritt. Noch vor Kurzem habe Griechenland internationale Kontrollen und eine volle Rückzahlung der Schulden abgelehnt.

Risiken eines Grexit nicht unterschätzen

Trotz der ablehnenden Haltung Schäubles sieht der Regierungsberater und Wirtschaftsprofessor Henrik Enderlein durchaus Chancen für einen Kompromiss. Ein kluger Vorschlag sei zum Beispiel zu sagen, Griechenland dürfe keine zusätzlichen Schulden machen. Dann könne das Land aus eigener Kraft aus dem Tal herauszukommen. "Aber ohne dass man ständig das Geld, das dort erwirtschaftet wird, abzieht", sagte Enderlein in der ZDF-Sendung Maybrit Illner.

Der Mannheimer Wirtschaftsforscher Hans-Peter Grüner warnte außerdem davor, die Risiken eines möglichen Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone zu unterschätzen. "Die Einführung einer neuen Währung und die Umstellung alter Verbindlichkeiten auf diese neue Währung würden in Griechenland zu einem wirtschaftlichen Chaos führen", sagte Grüner dem Handelsblatt. Die Gläubiger würden darauf pochen, dass ihre Forderungen in Euro beglichen werden. Griechische Firmen "müssten dann ihre Schulden in Euro begleichen, während sie nur Drachmen einnehmen", sagte Grüner. "Verbreitete Insolvenzen wären die Folge, und die damit verbundene Unsicherheit würde die Krise verstärken."