Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat nach seinem ersten Treffen mit dem neuen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis einen Schuldenschnitt für Griechenland erneut abgelehnt. "Wir waren uns – wenn ich das richtig verstanden habe – einig, dass das Thema Schuldenschnitt nicht von aktueller Bedeutung ist", sagte er nach dem Treffen in Berlin. Ansonsten habe es aber deutliche Differenzen gegeben. "We agree to disagree", sagte er – "wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind".

"Ich habe meine Skepsis nicht verhehlen können, dass manche der angekündigten Maßnahmen nach unserer Überzeugung nicht unbedingt in die richtige Richtung gehen", sagte Schäuble zu der Politik der neuen links geführten Regierung in Athen. Varoufakis ist das erste Mitglied der neuen griechischen Regierung, das nach Berlin kommt.

"Wir haben keine Einigung erzielt", sagte auch Varoufakis mit Blick auf eine Lösung für die griechischen Finanzprobleme. Dies sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen. Der Grieche bestätigte, dass ein Schuldenschnitt bei dem Treffen kein Thema gewesen sei. Sein Land sei in einer "Notsituation" und Deutschland sei vielleicht das Land, dass die Lage am besten verstehen könne. "Wir brauchen Deutschland an unserer Seite." Er warb erneut für mehr Zeit, um die Schuldenfrage zu lösen.

Varoufakis will eine Pleite des Landes mit einem Überbrückungsprogramm verhindern. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um zu vermeiden, dass es einen Zahlungsausfall gibt", sagte er. "Wir möchten ein Überbrückungsprogramm bis Ende Mai, damit wir alle ein bisschen Luft haben, diese Überlegungen anstellen zu können", so Varoufakis. Dann solle ein langfristiges Abkommen zwischen Griechenland, der EU, dem Internationalen Währungsfonds und der EZB ausgehandelt werden.

Kooperation mit Troika laut Schäuble nicht verhandelbar

Schäuble forderte seinen griechischen Amtskollegen eindringlich dazu auf, die Gespräche mit den Kontrolleuren der Sparauflage wieder aufzunehmen. Das sei "unstreitig". Verlässlichkeit sei die Voraussetzung von Vertrauen, so der deutsche Finanzminister. Er betonte, die Ursachen für den schwierigen Weg Griechenlands lägen in Griechenland selbst "und nicht in Europa und schon gar nicht in Deutschland".  

Die neue Regierung in Griechenland lehnt die Sparauflagen der internationalen Geldgeber und die Kontrolle durch die sogenannte Troika ab. Das Land ist aber weiter vom Staatsbankrott bedroht und auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Der CDU-Wirtschaftsrat hatte Schäuble vor dem Treffen zu einem harten Kurs gegenüber dem griechischen Kollegen aufgefordert. "Schäuble wird ihm klarmachen, dass eine neue Regierung nicht die Regeln für ungültig erklären kann, die die Vorgängerregierung vereinbart hat", hatte Verbandspräsident Kurt Lauk gesagt.