Elf Stunden Flug, dann ein militärisches Begrüßungszeremoniell im Dauerregen – Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit einer zehn Personen zählenden Wirtschaftsdelegation in Japan unterwegs, um Eckpunkte für die bevorstehende G7-Präsidentschaft Deutschlands abzustimmen. Hauptthemen der Gespräche sind der Klimaschutz, die Sicherheit und die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen. In einer Diskussionsrunde mit Studenten und Professoren warb Merkel für die in Deutschland vollzogene Energiewende – ein in Japan heikles Thema, hat doch die Regierung beschlossen, gegen den Widerstand der Bevölkerung in Kürze die ersten Atommeiler des Landes wieder hochzufahren. 

"Es können die unwahrscheinlichsten Risiken auftreten", sagte Merkel im Hinblick auf die Katastrophe in Fukushima vor fast genau vier Jahren. Deshalb schalte Deutschland 2022 das letzte Kraftwerk ab. "Für mich war Fukushima ein einschneidendes Ereignis, weil Fukushima ja in einem Land passiert ist, das eine sehr hohe technische Qualität hat", sagte die CDU-Chefin, die einst Physik studierte. Sie selbst habe lange an der Atomkraft festgehalten. In den Augen vieler Politiker zu lange. Als wesentliches Ziel der Energiepolitik nannte sie die Steigerung der Energieeffizienz etwa durch Wärmedämmung. "Wir können vieles voneinander lernen", sagte sie.

Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert wollen sich beide Seiten auch über die Frauenförderung austauschen. Ein Treffen mit weiblichen Führungskräften steht auf dem Programm der Reise. Zur Sprache kommen dürfte dabei auch die erst jüngst für Deutschland beschlossene Frauenquote in Aufsichtsräten.

Ministerpräsident Shinzo Abe hatte Merkel am Morgen mit militärischen Ehren in Tokio empfangen. Wegen des regnerischen Wetters fand die Zeremonie nicht unter freiem Himmel statt, sondern wurde nach innen verlegt. Geplant sind ein Gespräch im kleinen Kreis, für später sind Zusammenkünfte der beiden Delegationen vorgesehen. Zuvor nimmt er sich Zeit, mit Merkel das private Nezu-Museum zu besuchen, das eine Reihe von Nationalschätzen beherbergt.

Merkel traf später den japanischen Kaiser Akihito, der sie zu einer Audienz in seinem Palast empfing. Schon 2007 hatte der Kaiser Merkel seine Zeit gewährt – länger als die für eine solche Audienz üblichen 20 Minuten. Schon damals war es um Klimawandel und erneuerbare Energien gegangen.

In einer außen- und europapolitischen Grundsatzrede in der Redaktion einer großen linksliberalen Zeitung erinnerte die Kanzlerin an die Opfer der Tsunami- und Atomkatastrophe vor vier Jahren. Sie ermunterte die Japaner, sich mit der faschistischen Kriegsvergangenheit ihres Landes auseinanderzusetzen.

Indirekt Lösung im Inselstreit angemahnt

Sie mahnte, die Konflikte in der ostasiatischen Region beizulegen. Sie schilderte, wie dies im Falle Deutschlands nach 1945 möglich geworden war: durch "die Bereitschaft, Dinge beim Namen zu nennen". Sie vermied damit, in dem Inselstreit zwischen China und etlichen Nachbarstaaten klar Stellung zu beziehen.

Die Regierungen in Peking und Seoul werfen Japan vor, sich nicht zu der eigenen Schuld zu bekennen. Ohne den Inselstreit direkt zu erwähnen, forderte Merkel eine friedliche Lösung. "Diese Seewege verbinden unter anderem Europa mit diesem Teil der Welt. Ihre Sicherheit berührt deshalb auch uns in Europa", sagte sie.

Die Zeitverschiebung macht's möglich

Die Kanzlerin sprach sich zudem für eine möglichst schnelle Unterzeichnung des geplanten EU-japanischen Handelsabkommens aus. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch solche Abkommen jeweils der gegenseitige Handel gewonnen hat", sagte sie während eines Auftritts bei der Asahi-Stiftung. Beim Besuch des Museums für Zukunftsorientierte Wissenschaft und Innovation Miraikan in Tokio besichtigte sie den Fußball spielenden Roboter Asimo. Merkels Versuch, das agile Gerät zum Handschlag zu bewegen, scheiterte jedoch, wie das Video von dem Besuch zeigt. In Kawasaki will die Kanzlerin den Autohersteller Mitsubishi Fuso besuchen – ein deutsch-japanisches Joint Venture, das Lastwagen herstellt.

Ruhepausen sind also knapp auf dieser Reise. Es sei unglaublich, dass bei diesem dichten Programm die Kanzlerin bereits am Dienstagabend wieder in Berlin landen wird, sagte Regierungssprecher Seibert. "Die Zeitverschiebung macht's möglich."