China ist Gastland der diesjährigen CeBIT. Das Land wird seine IT-Innovationen vor Ausstellern aus aller Welt präsentieren. Ausländische IT-Unternehmen sind jedoch in China immer weniger willkommen – das erfahren Unternehmen aus dem Silicon Valley derzeit genauso wie internationale Netzwerkausrüster oder Software-Hersteller.

IT-Sicherheit und die Stärkung der heimischen IT-Industrie sind politische Kernthemen der Führung unter Xi Jinping. Um diese Ziele zu erreichen, schreckt Peking auch vor protektionistischen Maßnahmen nicht zurück: Aktuelle Richtlinien verpflichten beispielsweise Banken, bis 2019 überwiegend sogenannte sichere und kontrollierte Technologie aus chinesischer Produktion einzusetzen. Die Geldhäuser sind angehalten, den Fortschritt der Umstellung in ihrem Jahresbericht zu dokumentieren. Auch auf neuen Behördencomputern ist ausländische Software tabu. Bestehende Windows-Computer sollen nach und nach ausgetauscht werden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat die chinesische Regierung zudem kürzlich beschlossen, die Produkte zahlreicher weiterer IT-Unternehmen, darunter auch Apple, Cisco und Intel, aus staatlichen Institutionen zu verbannen. Bei Neuanschaffungen soll zukünftig nur noch auf chinesische Hersteller zurückgegriffen werden.

Mit diesem Verdrängungsprozess einher geht der gezielte Aufbau einer eigenen IT-Industrie: Mit günstigen Krediten unterstützt die Pekinger Regierung nicht nur die Entwicklung heimischer IT-Unternehmen. Sie greift ihnen auch bei der Expansion auf die internationalen Märkte unter die Arme. Huawei etwa bekam von der China Development Bank einen zinsgünstigen Kredit über zehn Milliarden US-Dollar, um seine weltweite Expansion zu finanzieren. Andere Firmen wie Xiaomi oder Alibaba begegnen ihren Wettbewerbern bereits auf Augenhöhe.

Diese enge Beziehung zur chinesischen Regierung birgt jedoch Risiken für Chinas eCommerce und IT-Sektor. Viele Regierungen, Unternehmen und Privatanwender misstrauen chinesischen Produkten und fürchten, dass darin Hintertüren eingebaut sein könnten, die Hackern das Ausspähen von Computern und Netzwerken ermöglichen. So wurde erst vor wenigen Wochen bekannt, dass eine von Lenovo auf Notebooks vorinstallierte Software – Superfish – ein Sicherheitsrisiko für die Nutzer darstellt. Selbst verschlüsselte Verbindungen konnten über dieses Einfallstor für Hacker kompromittiert werden.

Weil die Regierung in Washington solche Bedrohungen fürchtet, ist beispielsweise der chinesische Konzern Huawei in den USA von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen. Mit einer strategischen Transparenzoffensive versucht das Unternehmen dem Misstrauen anderer Staaten zu begegnen: Die britische Regierung etwa kann Huawei-Produkte in einem Forschungszentrum auf Sicherheitslücken testen.

Chinesische Software ist nicht gut gesichert

China macht sich zunehmend unabhängig von ausländischer IT-Technologie. Diese Entwicklung birgt auch Gefahren: Denn chinesische Software und Apps sind oft noch nicht so gut gesichert wie Produkte aus dem Westen. Hacker können die oft ungeschützten Programme übernehmen und sie mit Viren infizieren oder mit ihnen Angriffe auf weltweite IT-Systeme ausführen. Auch bei der Verschlüsselung von Festplatten, Dokumenten oder Internetverbindungen bestehen Probleme. Aufgrund strenger Importregelungen sind chinesische Nutzer fast durchgängig auf nationale Verschlüsselungsverfahren angewiesen. Deren Schutz aber ist lückenhaft: Chinesische Anbieter müssen bei einer staatlichen Behörde eine Art "Generalschlüssel" hinterlegen. Damit sind die Informationen zwar vor Hackern und fremden Regierungen geschützt – doch die Regierung in Peking kann sie durch den Zugriff auf die Generalschlüssel jederzeit auslesen.

Der Aufbau einer IT-Industrie und die umfassende Kontrolle des Internets sollen auch dem Machterhalt der kommunistischen Partei dienen. Staats- und Parteichef Xi Jinping selbst leitet ein Gremium hochrangiger Entscheidungsträger, das die Leitlinien der chinesischen Internet- und Sicherheitspolitik bestimmt. Der Schritt zeigt: Cyber Security ist zu einem politischen Kernthema geworden, Peking hat die Bedeutung der IT-Technologie für die nationale Sicherheit erkannt.

Westliche Unternehmen müssen sich auf härtere Zeiten einstellen: Der technologische Vorsprung, den deutsche Unternehmen heute noch besitzen, wird sich wohl immer mehr verringern. Statt auf eine – unwahrscheinlich wirkende – Umwälzung der chinesischen Cyber-Security-Politik hinzuarbeiten, sollte die Bundesregierung der deutschen Industrie Rückendeckung geben und drängende Probleme ansprechen. Themen wären etwa der Schutz geistiger Eigentumsrechte oder gesicherter Marktzugang in China. Eine weitere Abschottung des chinesischen Marktes lässt sich kaum mehr verhindern. Jetzt heißt es nicht nur, in der Volksrepublik geschickt Nischen zu besetzen. Es geht auch darum, einen globalen Handelskrieg um IT-Produkte zu verhindern.