Braunkohlekraftwerke in Brandenburg. ©dp

In der Erstfassung dieses Textes haben wir eine Grafik gezeigt, in der ein Fehler war. Polen war der Wert für Portugal zugeordnet worden. Deswegen haben wir die erste Grafik zurückgezogen und eine neue erstellt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. 

Deutschland rühmt sich gern seiner Anstrengungen bei der Energiewende. Dabei schwingt immer mit: "Wir sind Vorbild für andere Länder" – für viele europäische Staaten jedenfalls nicht. Eher umgekehrt: In zahlreichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ist der Anteil der erneuerbaren Energien bereits höher als in Deutschland. Das zeigt unsere Grafik.

Sie basiert auf Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch eines Landes darstellen. Es geht also nicht nur um den Stromverbrauch allein, sondern etwa auch darum, welche Energiequellen die EU-Staaten im Verkehrssektor nutzen. In Deutschland stammen 12,4 Prozent der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen – damit liegt die Bundesrepublik sogar unter dem Durchschnitt aller EU-Länder, der 2013 bei 15 Prozent lag.

Das bedeutet zugleich: Deutschland fehlen noch rund 5,5 Prozentpunkte, um das mit der EU vereinbarte Ziel zu erreichen, den Anteil der Erneuerbaren 2020 auf 18 Prozent zu heben. Viele andere Länder sind ihrem Zielwert dagegen schon näher oder haben ihn sogar schon erreicht, so etwa Bulgarien und Estland.

Auch konnte Deutschland den Erneuerbaren-Anteil seit 2010 weniger stark steigern als die EU insgesamt: In den 27 Ländern erhöhte sich der Anteil in dem Zeitraum durchschnittlich um 2,5 Prozentpunkte, in der Bundesrepublik dagegen nur um 2 Prozentpunkte. Lettland und Schweden etwa konnten den Anteil um rund sieben beziehungsweise fünf Punkte, viel kräftiger, erhöhen.

In dem skandinavischen Land machen die erneuerbaren Energien inzwischen rund 52 Prozent des Energieverbrauchs aus – der Spitzenplatz aller EU-Länder. Das liegt zum einen daran, dass die Schweden traditionell viele Wasserkraftwerke betreiben. Zum anderen hat das Land weitere Veränderungen vollzogen, wie sich im Verkehrssektor zeigt: Hier ist der Anteil der erneuerbaren Energien von 2011 bis 2013 um sieben Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei fast 17 Prozent. Damit ist Schweden das einzige Land in der Europäischen Union, das den Zielwert für das Jahr 2020 schon überschritten hat. Der schreibt den EU-Mitgliedsländern vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor bis zum Ende des Jahrzehnts bei 10 Prozent liegen muss.

In Deutschland kommen in diesem Bereich nur 6,3 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen. Damit liegt die Bundesrepublik aber noch vor vielen anderen Staaten, die im Verkehrssektor auf zum Teil deutlich schlechtere Werte kommen. Auf den letzten Plätzen liegen etwa Griechenland, Portugal und Lettland, wo der Anteil der erneuerbaren Energien nur bei 1,1 bis 0,2 Prozent liegt.