Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr sich die weltpolitischen Gewichte gerade verschieben: China gründet eine neue Entwicklungsbank – und mehrere europäische Länder wollen sich beteiligen, unter ihnen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Größter Anteilseigner der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) wird jedoch China sein; der Hauptsitz der Bank soll in Peking entstehen.

Das ist ein – wenngleich zunächst symbolischer – Schritt hin zu einer veränderten Struktur des multilateralen Finanzsystems. Asien wird politisch und wirtschaftlich immer wichtiger, und daraus ergeben sich nun auch institutionelle Konsequenzen. Mit der Gründung der neuen Infrastrukturbank sowie der New Development Bank (BRICS-Bank) in Shanghai setzt China Zeichen: Es will seine wirtschaftliche Stärke auch mit einer Führungsrolle in regionalen und plurilateralen Institutionen zum Ausdruck bringen.

Die US-Regierung hat seit Monaten hinter den Kulissen Einfluss auf Ihre Verbündeten genommen, um das zu verhindern. Dennoch traten schon auf der AIIB-Gründungszeremonie im vergangenen Oktober 21 asiatische Länder der Bank bei. Es fehlten Japan, Südkorea und Australien. Die Zahl der Gründungsmitglieder wird sich durch die Beteiligung der Europäer nun rasch erhöhen.

Möglicherweise erreicht die neue Bank dadurch bald die Größenordnung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), die mit 67 Mitgliedsländern – 19 davon nicht-asiatisch – und 162 Milliarden Dollar gezeichnetem Kapital jährlich Projekte in einer Größenordnung von etwa 20 Milliarden Dollar finanziert. Für die AIBB hat China zunächst ein gezeichnetes Kapital von 100 Milliarden Dollar vorgeschlagen. Da davon nur ein kleiner Teil, möglicherweise nur zehn Prozent, eingezahlt werden muss, kann sich die Summe durch die Beteiligung der Europäer durchaus noch erhöhen. Es ist einfach und nicht besonders teuer, eine neue Entwicklungsbank zu gründen.

Ende der US-Hegemonie?

Die Gründung der AIIB lässt sich als Signal für das Ende der US-amerikanischen Hegemonie im internationalen System der Entwicklungsbanken interpretieren – oder, etwas weniger dramatisch, einfach als einen Schritt hin zu seiner Normalisierung dadurch, dass die Finanzierung von Entwicklungsprojekten künftig in den Regionen selbst liegt.

Auch Europa hat zwei plurilaterale Entwicklungsbanken: die Europäische Investitionsbank (EIB) in Luxemburg mit 28 Mitgliedsländern, 243 Milliarden Euro gezeichnetem Kapital und jährlich 70 Milliarden Euro an vergebenen Darlehen; und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London mit 64 Mitgliedern, 30 Milliarden Euro gezeichnetem Kapital und 8,5 Milliarden Euro Ausleihungen pro Jahr.

Die EBRD ist offen für nicht-europäische Mitglieder; die USA, Japan, Südkorea halten Minderheitsanteile an ihr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch China Anteile an der EBRD erwirbt, so wie es bereits im Fall der Afrikanischen und Interamerikanischen Entwicklungsbank geschehen ist. Die Regionalisierung ist also verbunden mit einer Offenheit gegenüber nicht-regionalen Mitgliedsländern, die ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen durch den Erwerb von Minderheitsanteilen zum Ausdruck bringen. Das ist ein ganz normaler Vorgang.