Europas Importe von Soja, Rindfleisch, Leder und Palmöl sind einer der wichtigsten Treiber für illegale Abholzung in den Tropen. Zu diesem Ergebnis kommt die Brüsseler Umweltorganisation Fern in einer am Dienstag veröffentlichten Studie (Lawson, 2015). Demnach führte die Europäische Union 2012 Waren im geschätzten Wert von sechs Milliarden Euro ein, für deren Erzeugung unerlaubt Wald gerodet worden sei. Das entspricht dem Autor zufolge beinahe einem Viertel der weltweit gehandelten Menge.

In den zwölf Jahren nach der Jahrtausendwende sei dafür alle zwei Minuten eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt worden. Deutschland gehört dem Bericht zufolge mit Gütern im Wert von rund 800 Millionen Euro zu den Hauptzielländern in Europa. Den Großteil machten dabei Soja und Palmöl aus. Auch in den Niederlanden, Großbritannien, Italien und Frankreich seien viele der Waren gelandet. "Der EU-Verbrauch zerstört nicht nur die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei", sagte Studienautor Sam Lawson. "Da die Entwaldung illegal ist, befeuert sie auch Korruption und führt zu Einkommensverlusten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen." Kritiker würden bedroht, angegriffen und getötet.

Der größte Anteil der Produkte aus illegalen Rodungen kommt nach Angaben des Berichts aus Brasilien, gefolgt von Indonesien. Mit einigem Abstand kommen die Herkunftsländer Malaysia, Paraguay, Argentinien und Uruguay. Doch die Bedeutung anderer Lieferanten dürfte in der nahen Zukunft wachsen, prognostiziert der Autor. Er verweist auf weitere lateinamerikanische Staaten und einige afrikanische Länder sowie Papua-Neuguinea, Kambodscha und Laos.

Die Umweltschützer verlangen von der EU entschiedeneres Vorgehen und einen umfassenden Aktionsplan. Zwar gibt es EU-Vorschriften für Holzimporte. So darf Holz aus unerlaubten Rodungen in Europa nicht in den Verkehr gebracht werden, Händler sind zu besonderer Sorgfalt verpflichtet. Doch inzwischen würden Bäume vor allem illegal gefällt, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen, so Fern. Die EU müsse dies in Handelspartnerschaften mit betroffenen Ländern stärker berücksichtigen.