EZB-Präsident Mario Draghi © John Thys/AFP/Getty Images

Nun geht es also los. Die Europäische Zentralbank hat mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen begonnen. Die Kurse der erworbenen Papiere aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich und anderer Eurostaaten legten daraufhin zu. Im Gegenzug fielen die Renditen weiter, weil Anleger beim Erwerb dieser Anleihen mehr zahlen müssen.

Bis September 2016 wird die EZB jeden Monat 60 Milliarden Euro ausgeben und dafür Papiere der Eurostaaten und andere Wertpapiere kaufen. Mehr als eine Billion Euro wird so insgesamt zusammenkommen – eine riesige Geldflut, die dafür sorgen soll, dass es in den Ländern der Währungsunion wieder Inflation gibt. Doch wie funktioniert das Programm überhaupt? Was wird die EZB dabei kaufen? Und warum könnte es sein, dass sie gar nicht genügend Verkäufer findet? Eine Übersicht über die wichtigsten Punkte zum sogenannten Quantitative Easing.

1. Der Ablauf: Wie die EZB vorgeht

Streng genommen ist es gar nicht die EZB selbst, die nun die ersten Euro aus dem neuen Programm ausgibt. Sie hat die Aufgabe, Staatsanleihen zu kaufen, an die nationalen Notenbanken delegiert. Wenn deutsche Staatsanleihen gekauft werden sollen, beauftragt die EZB daher zum Beispiel die Bundesbank. Diese Regelung war besonders Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wichtig, der dadurch die Haftung der deutschen Steuerzahler begrenzen will.

Da es den europäischen Notenbanken verboten ist, neue Anleihen direkt von einem Staat zu kaufen, wird das Programm auf dem sogenannten Sekundärmarkt stattfinden. Die nationalen Zentralbanken machen Banken und Versicherungskonzernen, die die gewünschten Staatsanleihen besitzen, ein Angebot. Nehmen die an, bezahlen die Notenbanken die Transaktion mit frisch geschaffenem Zentralbankgeld.

2. Die Wertpapiere: Was die EZB für ihr Geld bekommt

Auch wenn meistens von den "Staatsanleihenkäufen" der EZB die Rede ist: Die Zentralbank kauft noch viel mehr. Schon seit September vergangenen Jahres versucht sie Pfandbriefe und forderungsbesicherte Wertpapiere (asset-backed securities) aufzukaufen. Beim neuen Programm will sie zudem auch Anleihen von EU-Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank und dem Rettungsfonds ESM erwerben.

Der größte Teil der monatlich 60 Milliarden wird aber tatsächlich in Staatsanleihen fließen. Der aktuelle Plan sieht vor, dass die EZB sich bei den Käufen nach den Kapitalanteilen der einzelnen Euro-Mitgliedstaaten orientiert. Deutschland stellt zum Beispiel rund 25 Prozent des EZB-Kapitals, deswegen werden deutsche Staatsanleihen auch etwa ein Viertel der Anleihenkäufe ausmachen. Griechische Staatsanleihen wird die EZB übrigens nicht kaufen, da sie kein ausreichend gutes Rating besitzen. Eine weitere wichtige Vorgabe: Die EZB will bei keiner einzelnen Anleihe mehr als 25 Prozent und insgesamt nicht mehr als 33 Prozent der noch ausstehenden Anleihen eines Landes besitzen, um nicht für ein Land der größte Gläubiger zu werden und damit eine zu große politische Macht zu bekommen.

Bei den Laufzeiten der Anleihen hat sich die EZB weniger strenge Regeln gesetzt. "Vermutlich wird sie auf der ganzen Zinskurve kaufen", sagt Moritz Kraemer, Chefanalyst für Staatsanleihen bei der Ratingagentur Standard & Poor's. Heißt: Sowohl Anleihen mit kurzer Laufzeit, zum Beispiel zwei Jahre, als auch solche mit langer Laufzeit wie 30 Jahre. "Bei den kurzen Laufzeiten gibt es allerdings nicht so viele Möglichkeiten", sagt Kraemer.