Eine neue Weltuntergangsidee gewinnt an Kraft: die totale Machtübernahme, nein, schlimmer, die Vernichtung der Menschheit durch intelligente Maschinen. Sie erinnert an Skynet, das umfassende Roboternetzwerk, das im Film Terminator die Menschheit auslöscht. Arnold Schwarzenegger – ein Prophet?

Lange schien die Terminator-Vision nur Fantasy, aber im Zeitalter selbstfahrender Autos und mühelos drauflosquasselnder Computer könnte sie Wirklichkeit werden. Einflussreiche Vordenker wie Stephen Hawking, Bill Gates und Tesla-Gründer Elon Musk haben in letzter Zeit vor einer "Bedrohung durch künstliche Intelligenzen" gewarnt. Kürzlich nannte eine Studie intelligente Maschinen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden, dann sogar als eines von zwölf Szenarien der Apokalypse, direkt neben Atomkrieg und Klimakollaps.

Was steckt dahinter? Durch die Zunahme der Rechenleistung, also der Speicher- und Verarbeitungskapazität von Computern, sind deren Fähigkeiten in den vergangenen Jahren rasant angestiegen. Bald dürfte sie die langsamer wachsende menschliche Intelligenz überholt haben. Der einflussreichste aller Tech-Gurus, Ray Kurzweil, nennt das eine Singularität. Ab diesem Moment seien die sterblichen Menschen den Maschinen unterlegen, und es beginne das Zeitalter des "Posthumanismus", in dem wir Menschen uns körperlich mit den superintelligenten Maschinen verbinden müssten – oder andernfalls nur auf deren Gnade hoffen könnten. Hasta la vista, Homo sapiens.

Im Silicon Valley setzen Kurzweils zahlenverliebte Jünger seine Ideen schon in die Praxis um. Er selbst arbeitet mittlerweile für Google, zum Beispiel an der Vision bald winzige, stets wohlinformierte Google Bots in unsere Blutbahnen zu schicken. Kurzweil erwartet, dass seine Singularität irgendwann in den kommenden 15 bis 30 Jahren eintritt.

Intelligente Maschinen! Roboter statt Mensch! Das klingt nach einem fabelhaften Geschäft fürs Valley, zum Beispiel fahrerlose Taxis, die mittels computergesteuerter Plattformen koordiniert werden, oder bei Apple, wo man plant, die iPhone-Produktion in die USA zurückzuholen – in vollautomatische Fabriken, die ganz ohne Menschen funktionieren. Menschenfreies Business – dafür geben Finanziers heutzutage Cash.

Wobei, die meisten Apple-Aktien kontrollieren wohl auch schon Roboter. Denn die Finanzmärkte sind bereits von Algorithmen übernommen worden. Dort ist die von Demokraten gefürchtete Algokratie, die Herrschaft der Computermodelle, schon lange Realität. Wo früher aufgeregte Trader übers Börsenparkett rannten, ist heute nur noch das sanfte Surren der Kühlaggregate zu hören. Und sobald Algorithmen die Produktion steuern können, wird auch der chinesische iPhone-Schrauber überflüssig.

Der Mensch wird nicht mehr gebraucht

Mediziner! Manager, Ingenieure, Lehrer! Sie glauben, nicht betroffen zu sein? Lehnen Sie sich nicht zurück. Algorithmen können auch komplexere und mehrspurige Entscheidungsketten steuern. Mittels sogenannter Computer Business Systems werden Arbeitsabläufe, beispielsweise die Diagnosestellung durch Ärzte, auf ihre einzelnen Arbeitsschritte heruntergebrochen. So kann alles standardisiert, gemessen und automatisiert werden. Der Mensch wird nicht mehr gebraucht – und falls doch, darf er nur noch ohne Nachdenken stupide das Vorgegebene ausführen.

Das Ergebnis sind perfekt durchrationalisierte Prozesse, sehr zur Freude der Investoren. Mittlerweile werden so viele medizinische Eingriffe von intelligenten Robotern erledigt, dass Chirurgen arbeitslos werden und sich Anwälte darauf spezialisieren, gegen die Fehler der Maschinen zu prozessieren. 

Das Internet der Dinge wird diese Entwicklung beschleunigen. Die kommende neueste Version des Protokolls IPv6 bietet genügend mögliche Internetadressen, um theoretisch alle auf diesem Planeten existierenden Insekten zu vernetzen. Dann verbünden sich auch Toaster, Kühlschrank und Smartcar gegen ihre dümmlichen Herren.