Wie spüren Sie den Mindestlohn? fragten wir vor einigen Wochen. Viele Leser haben uns geantwortet, darunter Angestellte, Unternehmer, Vereinsvorsitzende und Lokalpolitiker. Die meisten Mails kamen aus der Gastronomie und von Studenten oder Praktikanten.

Es schrieben unter anderem: Der Betreiber einer Cocktailbar aus Wismar, der erklärte, er habe wegen des Mindestlohns seine Preise um durchschnittlich 18 Prozent erhöhen müssen. "Die Gäste sind nicht so erfreut darüber." Der Bachelorabsolvent, der sich über kürzere Praktika ärgert, weil er durch sie weniger lernt – bis zu einer Dauer von drei Monaten gibt es keinen Mindestlohn. Aber auch die Diplomgeographin, die nun endlich ein Auskommen hat. "Der Mindestlohn hat mich gerettet", jubelte sie.

Ein Arbeiter berichtete, ihm sei wegen des Mindestlohns gekündigt worden, und er warte immer noch auf einen Teil seines Lohns. In vielen Fällen scheinen durch den Mindestlohn ausbeuterische Verhältnisse erst richtig offen zutage zu treten. Der Vorsitzende eines gemeinnützigen Vereins schilderte einen besonders ungewöhnlichen Fall: Sein Verein vermittle Rentnern sinnvolle Beschäftigungen, etwa in Museen an der Garderobe oder in Seniorencafés. Bisher erhielten die Senioren dafür nur eine Aufwandsentschädigung und das sei ihnen auch ganz recht. "Sie machen es nicht so sehr wegen des Geldes, sondern um unter Leuten zu sein." Wegen des Mindestlohns sei das aber nicht mehr in allen Fällen möglich. "Im Ergebnis wird unser Verein sich auflösen müssen."

Liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für all die Post! Leider können wir nicht über alle Fälle berichten. Sie können uns aber gerne weiter schreiben. Für diesen Text haben wir aus Ihren Mails fünf Erfahrungsberichte ausgewählt, die uns besonders interessant schienen. Hier sind sie: