Sigmar Gabriel hat sich in den tiefen Ledersessel gefläzt und bekommt diese säuselig-betörende Stimme: Straßenbau, Schienenverkehr, Flughäfen, erneuerbare Energien, Wasserversorgung: Der Sermon, in welchen Bereichen die deutsche Industrie in Saudi-Arabien mitzumischen gedenkt, will gar nicht aufhören. "Man muss nicht nach Saudi-Arabien fahren, um nur über Rüstung zu reden." Das soll das Motto dieser Reise in die Golfregion sein. Und nun bitte Schluss: Bloß keine Fragen mehr zu Rüstung.

Der Vizekanzler ist genervt. Denn er hat zwei Mitreisende in seiner Delegation, die sich partout nicht an seinen Wunsch halten wollen: Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, und Peter Ramsauer von der CSU, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Bundestags. Noch bevor Gabriel den König trifft, fängt Pfeiffer erneut davon an, dass er die neue, restriktivere Rüstungsexportpolitik der Großen Koalition für einen Fehler hält. Schließlich sei das Land ein Stabilitätsanker in der Region – und entsprechend müsse man den Saudis doch auch verlässliche Wirtschaftsbeziehungen bieten.

Aus Sicht von König Salman aber sind die Deutschen gerade alles andere als verlässlich. Der Streit dreht sich vor allem um das Sturmgewehr G36 von Heckler und Koch. Die erste große Koalition aus Union und SPD hatte im Dezember 2008 den Export einer kompletten Waffenfabrik nach Saudi-Arabien genehmigt, damit die Saudis die Waffe selbst in Lizenz herstellen können. Eine Summe im dreistelligen Millionenbereich haben die Saudis in die Fabrik investiert. Nun aber fehlen ihnen sogenannte "Schlüsselkomponenten", um weiter zu produzieren. Ohne die Teile aus Deutschland wäre die Investitionen ein "stranded investment", eine gescheiterte Investition im saudischen Wüstensand.

Doch die Bundesregierung verweigert die Genehmigung. Entsprechend fühlen sich die Saudis hängen gelassen und pochen darauf, dass der Deal bis zum Ende durchgezogen wird. Deutsche Hersteller gelten sowieso schon als kompliziert: Die von Deutschland verlangten Nachweise, dass Waffen im Land verbleiben müssen, finden die Saudis mindestens lächerlich, wenn nicht nervig.

Die Drohung, die nicht offen ausgesprochen wird, aber allen hier klar ist, vor allem den rund hundert Wirtschaftsvertretern, die Gabriel auf seiner Golfreise begleiten: Bekommt Saudi-Arabien die wichtigen Teile nicht geliefert, dann müssen deutsche Firmen künftig um Aufträge bangen. Eine Vergabe von Megadeals an deutsche Firmen ist eben keineswegs selbstverständlich für das Königshaus.