Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff hat nach Angaben des Amtsgerichts Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein eigenes Vermögen gestellt. Das Gericht habe als vorläufigen Insolvenzverwalter den Bielefelder Anwalt Thorsten Fuest eingesetzt. Von diesem war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten auch Middelhoffs Anwalt wollte sich nicht äußern. Der ehemalige Arcandor-Chef war im November wegen Untreue und Steuerhinterziehung vom Landgericht Essen zu drei Jahren Haft verurteilt worden

Dem Ex-Manager sitzen Gläubiger im Nacken. Mehr als 90 Millionen Euro soll Middelhoff ihnen nach einem Bericht des Westfalen-Blatts schulden. Allein der Unternehmensberater Roland Berger fordert von Middelhoff laut dem Landgericht Bielefeld knapp sieben Millionen Euro. Middelhoff musste sich bereits einer Taschenpfändung unterziehen und bei einem Essener Gerichtsvollzieher einen Offenbarungseid leisten. Middelhoff selbst fordert wiederum vom Bankhaus Sal. Oppenheim in einer Zivilklage die Auszahlung von Festgeldern und Rückzahlung von Zins- und Tilgungsraten auf Kredite in Höhe von insgesamt rund 100 Millionen Euro. Das Bankhaus hatte darauf mit einer Gegenklage geantwortet.

Die Essener Strafkammer hatte Middelhoff in 27 Fällen der Untreue und in drei Fällen der Steuerhinterziehung für schuldig befunden. In dem Verfahren ging es um diverse Flüge sowie eine Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner, die Middelhoff teils über Arcandor abgerechnet hatte. Middelhoff soll dem Konzern einen Schaden von mehr als einer halben Milliarde Euro zugefügt haben. Er sitzt seit dem Urteil in Untersuchungshaft. 

Vor zwei Wochen war er mit dem Versuch gescheitert, gegen die Zahlung einer Kaution von rund 900.000 Euro auf freien Fuß zu kommen. Gegen das Untreue-Urteil des Landgerichts Essen mitsamt der Haftstrafe haben seine Anwälte beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt.

Unabhängig davon hat die Staatsanwaltschaft Bochum im Januar erneut Anklage gegen Middelhoff erhoben. In diesem Fall geht es einem Sprecher zufolge um eine Zahlung des Arcandor-Konzerns in Höhe von rund 800.000 Euro aus dem Jahre 2009 an die Universität Oxford. Es bestehe der Verdacht, dass es dafür keine Gegenleistung gegeben habe. Das Gericht muss entscheiden, ob es die Anklage annimmt.