Der Umweltschutz zählt nach Meinung eines großen Teils der Bürger nicht mehr zu den wichtigsten Problemen Deutschlands. Das geht aus einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt. Laut der noch nicht veröffentlichten Untersuchung finden nur noch 19 Prozent der Bevölkerung, dass der Umweltschutz "zu den aktuell wichtigsten Problemen Deutschlands" zähle; vor zwei Jahren waren fast doppelt so viele (35 Prozent) dieser Meinung. Während der Umweltschutz damals auf Platz zwei in der Rangliste politischer Aufgabenfelder lag, ist er inzwischen auf Rang fünf gefallen.

Die Schlussfolgerung, öko sei out, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Dass der Umweltschutz so abgerutscht ist, sei vor allem darauf zurückzuführen, dass wegen der "turbulenten Weltlage" die Aufmerksamkeit auf andere Problemfelder verlagert wurde, heißt es in der 80-seitigen Expertise.

Im längerfristigen Zeitvergleich werde auch deutlich, dass die aktuell nur noch gemäßigte Bedeutung des Umweltschutzes nicht ungewöhnlich sei, und sein hoher Stellenwert im Jahres 2012 eher eine Ausnahme. Damals hätten die Nuklearkatastrophe von Fukushima, der anschließend in Deutschland beschlossene Atomausstieg, der Ausruf der Energiewende und die UN-Konferenz Rio+20 für den sehr hohen Wert gesorgt, so das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das die Analyse in Zusammenarbeit mit einem Markt- und einem Sozialforschungsunternehmen konzipiert und bearbeitet hat.

Im Klartext: Das Umweltbewusstsein der Deutschen hat wieder Normalmaß erreicht. Es liegt, wenn man so will, wieder im grünen Bereich.

Zufrieden mit Umweltqualität

Wie wichtig den Bürgern der Umweltschutz ist, wird von Amts wegen seit mehr als  zehn Jahren in zweijährigem Turnus ermittelt. Die Befragung für die aktuelle Analyse fand im Sommer 2014 statt.

Dass der Stellenwert des Umweltschutzes wieder das Niveau früherer Jahre erreicht hat, passt zu einem anderen Umstand: Eine große Mehrheit der Befragten gab an, mit der Umweltqualität am eigenen Wohnort zufrieden zu sein und ebenso mit der Umweltqualität in Deutschland. Am ehesten empfinden die Bürger Lärm als störend, vor allem Straßenverkehrslärm; mehr als jeder Zweite fühlt sich dadurch mindestens etwas belästigt.

Der Straßenverkehr wird ohnehin als ein großes Problem empfunden: Die meisten (56 Prozent) nutzen im Alltag zwar "immer" oder "sehr häufig" das Auto. 82 Prozent sind aber der Meinung, dass die Lebensqualität stiege, würden Städte und Gemeinden so umgestaltet, dass man weniger auf ein Auto angewiesen ist; im Jahr 2012 vertraten nur 70 Prozent diese Ansicht.

Kritik an Bundesregierung

Obwohl sie den Umweltzustand im Großen und Ganzen positiv beurteilen, geben die Bürger der Politik der Bundesregierung nur mittelmäßige Noten. Gerade einmal ein Drittel bescheinigt ihr, "genug" oder "eher genug"  für den Umwelt- und Klimaschutz zu tun. Zwei Drittel sind dagegen der Meinung, dass das Engagement der Regierung zu wünschen übrig lässt.

Das Urteil über die Regierungsarbeit ist deutlich kritischer als vor zwei Jahren. Damals waren noch 46 Prozent mit der Arbeit der Regierung zufrieden, 2008 war es sogar fast jeder Zweite. Die aktuell schlechtere Benotung dürfte damit zu tun haben, dass von den weitreichenden Ankündigungen im Zusammenhang mit der Energiewende "nur eine eher frustrierende Diskussion um steigende Energiekosten und lästige Stromtrassen übrig geblieben ist", heißt es in der Studie.

Diese Einschätzung lässt sich zwar weder direkt Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) noch der UBA-Präsidentin Maria Krautzberger zuschreiben. Sie stammt von den Auftragnehmern der Studie. In einer amtlichen Broschüre ist sie dennoch bemerkenswert, zumal der frühere Umwelt- und heutige Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) die Kostendiskussion maßgeblich befeuert hatte. Altmaier war 2013 mit der Botschaft durchs Land gezogen, die Kosten der Energiewende könnten sich "bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren".