Unbefristete Verträge dominieren in den meisten Industrieländern nach wie vor den Arbeitsmarkt – aber vor allem Berufsanfänger müssen heute oft Arbeitsverträge auf Zeit akzeptieren. In Deutschland, aber auch in Schweden, Frankreich, der Schweiz und Spanien betrifft das mehr als die Hälfte der 15- bis 24-jährigen Angestellten. Das zeigen Daten der OECD, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE in der obigen Infografik zusammengefasst hat.

Demnach haben 14,4 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland einen befristeten Arbeitsvertrag. Der Anteil ist deutlich höher als etwa in Großbritannien, Tschechien und Österreich. Besonders hoch ist der Anteil in Spanien und Polen, wo das Angestelltenverhältnis für rund jeden Vierten vertraglich zu einem festgelegten Zeitpunkt endet.

Allerdings spielten vor der Krise in Spanien befristete Arbeitsverträge eine noch größere Rolle: Ihr Anteil betrug damals noch fast 33 Prozent. Die Forscher der OECD erklären den Rückgang damit, dass in der Krise viele befristete Stellen für Arbeiter komplett wegfielen. In vielen Ländern ist dagegen bei Neuanstellungen die Befristung häufiger geworden als noch 2006/2007, etwa in den Niederlanden, Italien und Irland. In Deutschland ist der Anteil laut den OECD-Daten nur leicht zurückgegangen.

Wichtig für die Betrachtung ist auch, was hinter der Befristung steckt: Wie hoch ist unter den Angestellten mit nicht auf Dauer angelegten Arbeitsverträgen der Anteil derer, die keine permanente Stelle wollten? Von denen gibt es in Deutschland nicht viele, doch in manchen Ländern sucht ein Großteil gar keinen Job auf Dauer. In der Studie für den Zeitraum 2011/2012 gab beispielsweise fast jeder zweite Isländer mit befristetem Vertrag an, sich bewusst dafür entschieden zu haben. In Norwegen lag der Anteil bei immerhin 30 Prozent, in Frankreich und Großbritannien bei etwas über 20 Prozent.

Doch die Gruppe derer, die schlicht keine unbefristete Stelle gefunden haben, ist in vielen Ländern deutlich größer. In Deutschland hat rund jeder Zweite einen befristeten Arbeitsvertrag gegen seinen Willen. In Frankreich und Großbritannien macht diese Personengruppe mehr als 70 Prozent der befristet Beschäftigten aus. Der Anteil liegt in den Krisenstaaten Griechenland und Spanien sogar bei über 90 Prozent.

Auch die Dauer der Befristung schwankt stark. In Deutschland handelt es sich in der Mehrzahl um Verträge, die zumindest mehr als ein Jahr laufen. In Spanien das umgekehrte Bild: Dort hat mehr als jeder zweite befristete Vertrag eine Laufzeit von weniger als drei Monaten.