Auszubildende bei Siemens © Thomas Peter/Reuters

Trotz aller Sorgen um einen Fachkräftemangel bilden Unternehmen in Deutschland immer weniger aus. Etwa 518.000 Jugendliche schlossen 2014 einen Ausbildungsvertrag ab und damit so wenige wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Den Angaben nach sind das 7.500 oder 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Damit befanden sich Ende 2014 etwa 1,36 Millionen Jugendliche in einer Ausbildung im dualen System, bestehend aus Berufsschule und Praxis im Unternehmen. Das waren 2,4 Prozent weniger als im Jahr 2013.

Gründe sind, dass die Zahl der Schulabgänger sinkt und mehr Jugendliche studieren. Während die Zahl der Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen im Osten Deutschlands nur um 0,4 Prozent zurückging, sank sie im Westen um 1,6 Prozent.

Im größten Ausbildungsbereich, Industrie und Handel, zu dem auch Banken und Versicherungen gehören, wurden demnach 1,7 Prozent weniger Lehrlingsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Im Handwerk, der zweitgrößten Branche, gab es ein Minus von 1,5 Prozent. Im kleinsten Ausbildungsbereich, der Hauswirtschaft, sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2014 um 10,3 Prozent. Diese Lehrlinge arbeiten oft in der Gastronomie oder in Wohn- und Pflegeeinrichtungen.

Berufsausbildung attraktiver machen

Der Trend zum Studium bestätigt sich auch im Berufsbildungsbericht der Bundesregierung für 2015. "Die berufliche Ausbildung steht in zunehmendem Wettbewerb um Nachwuchskräfte mit den Hochschulen", zitiert die Passauer Neue Presse aus dem Report, den Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im Bundeskabinett vorstellen und beraten lassen.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Studienanfängerquote im vergangenen Jahr demnach bei 57,3 Prozent und erreichte einen Rekord. 2013 seien es noch 53,1 Prozent gewesen. Gegensteuern will die Regierung nicht: "Es wäre allerdings ein falsches bildungspolitisches Signal, diese Entwicklung im Sinne bildungsplanerischer Eingriffe zugunsten der beruflichen Bildung steuern zu wollen", heißt es in dem Bericht.

Stattdessen müsse berufliche Bildung attraktiver werden. Zudem hält es die Regierung für notwendig, Studienabbrecher gezielt für eine Ausbildung zu werben.

Der Berufsbildungsbericht unterscheidet sich von den Daten der Statistikbehörde, weil als Stichtag der 30. September zugrunde gelegt wird.