Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich prinzipiell gegen einen Zahlungsaufschub für Griechenland ausgesprochen. Einem Land zu erlauben, seine Schulden später als verabredet zu tilgen, wäre vergleichbar mit der Gewährung eines zusätzlichen Kredites durch die internationale Gemeinschaft, sagte Christine Lagarde. Solche Aufschübe seien kein Schritt, der in der aktuellen Situation zu empfehlen wäre. "Uns hat noch nie eine entwickelte Volkswirtschaft um einen Zahlungsaufschub gebeten", sagte sie. 

Lagarde reagierte damit auf einen Bericht der Financial Times, demzufolge die griechische Regierung den IWF jüngst informell gebeten habe, fällige Raten später begleichen zu dürfen. Der Währungsfonds habe das abgelehnt. Das griechische Finanzministerium dementierte den Bericht.

Griechenland selbst zeigt sich indes unbeeindruckt vom zunehmenden Druck der internationalen Geldgeber. In den Verhandlungen gebe es bemerkenswerte Fortschritte, teilte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras der Nachrichtenagentur Reuters in einer schriftlichen Erklärung mit. Eine Einigung bis Ende April sei möglich.

Lagarde hingegen forderte ein höheres Tempo bei den Gesprächen. Sie rief Griechenland dazu auf, seine Hausaufgaben in den Verhandlungen mit den Geldgebern zu erledigen. Das Land müsse sich "an die Arbeit" machen.

Griechenland hatte in der vergangenen Woche eine Kreditrate von 459 Millionen Euro fristgerecht an den IWF überwiesen. Eine nächste Rate von 779 Millionen Euro wird am 12. Mai fällig. Ohne eine weitere finanzielle Unterstützung durch die anderen Euro-Länder droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit. Die Verhandlungen über ein verbindliches Reformprogramm, das die von den Geldgebern gestellte Bedingung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche ist, machen aber keine Fortschritte.