Die Roboter sind frei. Endlich. Jahrelang schufteten die Blechkameraden in Käfigen, bauten kleine und große Teile zusammen, schweißten, schraubten und frästen und mussten dabei immer hinter Gittern bleiben. Und das nur, damit sie ihren menschlichen Kollegen nicht zu nahe kommen und sie aus Versehen verletzen konnten. Wer heute aber einen Blick in die Hallen der Hannover Messe wirft, der sieht: Die Zeiten der Robotergefängnisse in den Fabriken sind längst vorbei. Mensch und Maschine kommen sich näher. Und das nicht nur räumlich, sondern auch in ihren Fähigkeiten.

Da wäre der elektrische Chefkoch, der eigentlich nur aus zwei von der Decke baumelnden Händen besteht und vollautomatisch Krabbensuppe zubereitet. Oder Yumi, ein weiß-grauer Fertigungsroboter der Firma ABB, der Hand in Hand mit Kollegen aus Fleisch und Blut Schaltschränke zusammenbaut. Seine Sensoren sind so empfindlich, dass der Roboter sofort stoppt, wenn er einen Menschen berührt.

Die neuen Roboter sind Teil einer neuen industriellen Revolution, die gerade zum wiederholten Mal unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" verkündet wird. Noch haben in dieser schönen neuen Arbeitswelt auch Menschen ihren Platz. Doch die immer besseren Roboter können vor allem eines immer häufiger: Die gleiche Arbeit wie Menschen erledigen – nur billiger. Klar ist: Der Arbeitsmarkt wird dadurch umgekrempelt. In welche Richtung es geht, darüber aber herrscht Uneinigkeit. Während die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) für Deutschland 390.000 neue Arbeitsplätze in den kommenden zehn Jahren vorhersagt, sieht ver.di-Chef Frank Bsirske ganze Berufsfelder bedroht. Wer hat Recht?

Um diese Fragen zu beantworten, hilft es, den bisherigen Einfluss der Roboter auf den Arbeitsmarkt zu beleuchten. Georg Graetz von der Universität im schwedischen Uppsala und Guy Michaels von der London School of Economics (LSE) haben genau das getan. In einer Studie haben sie zum ersten Mal Daten zur Verbreitung von Robotern in 17 Ländern im Zeitraum von 1993 bis 2007 untersucht und mit wirtschaftlichen Kennzahlen wie Produktivität und Beschäftigung in Verbindung gesetzt.

Ihr Ergebnis ist erst einmal positiv. Im untersuchten Zeitraum habe sich der Einsatz von Robotern um durchschnittlich 150 Prozent erhöht, besonders stark auch in Deutschland. Die Ökonomen haben berechnet, dass der Wachstumsbeitrag dieser Maschinen bei 0,37 Prozent lag – einem Zehntel des gesamten Wachstums in diesem Zeitraum. Die Zahl der Arbeitsstunden blieb demgegenüber unverändert, die Löhne stiegen sogar. Eine mögliche Begründung: "Auf der Ebene des einzelnen Jobs ersetzen Roboter Menschen. Aber die gesamte Industrie wird produktiver, die Arbeiter werden dann einfach in anderen Bereichen eingesetzt", sagt Georg Graetz.

Nach einer genaueren Untersuchung der Daten bemerkten die Forscher aber: Nicht alle Arbeiter profitieren gleichermaßen. "Wir fanden negative Effekte für weniger gut ausgebildete Arbeiter", sagt Graetz. Dieses Ergebnis sei zwar weniger robust, deute aber darauf hin, dass gut ausgebildete Fachkräfte noch produktiver werden und deshalb auch mehr verdienen, während ihre weniger gut gebildeten Kollegen von Maschinen verdrängt werden.