Der renommierte Ökonom Jeffrey Sachs zeichnet in einer aktuellen Studie ein noch pessimistischeres Bild. "Je leichter die Arbeit von Menschen durch Roboter zu ersetzen ist, desto stärker wird die Nachfrage nach menschlicher Arbeit sinken", schreibt der Direktor des Earth Institute der Columbia University mit seinen Co-Autoren. Das würde eine Kettenreaktion in Gang setzen, die vereinfacht so aussieht: Wenn die Nachfrage nach menschlicher Arbeit zurückgeht, sinkt auch der Preis, der dafür gezahlt wird, also der Lohn. Sinken die Löhne, drückt das die Kauflaune der Menschen und damit den Konsum. Die Folge wäre eine Gesellschaft, in der zwar immer mehr Produkte immer günstiger hergestellt werden könnten, aber niemand genug Geld verdient, um diese zu kaufen. Sinkt der Konsum, sinken auch das Wirtschaftswachstum und der gesamte Wohlstand.

Sachs und seine Kollegen beschreiben damit ein ähnliches Problem, über das schon der britische Ökonom John Maynard Keynes grübelte. Falls die Menschheit ihre eigene Arbeitskraft durch Maschinen schneller ersetzen sollte, als sie neue produktive Verwendung für die Arbeiter finde, drohe vielen die technologische Arbeitslosigkeit. In einer Zeit, in der Computer und Roboter selbst vermeintlich anspruchsvolle Tätigkeiten wie die von Ärzten, Anwälten oder Journalisten automatisieren, ist das durchaus eine reale Gefahr. Die Oxford-Forscher Carl Benedikt Frey und Michael Osborne haben in einer Studie ermittelt, dass in den kommenden Jahren 47 Prozent aller Jobs in den Vereinigten Staaten von der Automatisierung durch Computer bedroht sein könnten.

Roboter ersetzen Babyboomer

Diese Argumentation läuft einem lange Zeit nahezu unumstößlichen Fakt der Wirtschaftswissenschaften zuwider: Technischer Fortschritt ist immer gut. Auch wenn kurzfristig menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt wird, mehren sich dadurch Wohlstand und Konsum – gut bezahlte Jobs für Menschen entstehen dann einfach in einem anderen Sektor.

Selbst wenn das nicht passieren sollte, sieht Martin Gornig im wachsenden Einsatz von Robotern aber nicht unbedingt eine Gefahr. "Man muss sich immer auch fragen, unter welchen Arbeitsmarktbedingungen eine solche industrielle Revolution passiert", sagt der stellvertretende Abteilungsleiter Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Gibt es ein Überangebot an Arbeitern und Fachkräften oder sucht die Industrie händeringend nach Personal? Mittelfristig prognostiziert Gornig für die deutsche Wirtschaft eher letzteres. Können Unternehmen das fehlende Personal durch Maschinen ersetzen, wäre das sogar wünschenswert. "Wenn der Industriestandort durch einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gefährdet wäre, könnte die Automatisierung dazu beitragen, ihn zu erhalten", sagt der DIW-Forscher.

Die Folgen der Automatisierung hängen also immer auch vom Einzelfall ab. Bei Volkswagen zum Beispiel soll der Renteneintritt der Babyboomer durch eine zunehmende digitale und automatische Fertigung kompensiert werden. "Wir könnten diesen Rentnerabgang gar nicht durch junge Mitarbeiter ersetzen", sagte VW-Personalvorstand der Welt am Sonntag. Als willkommener Bonus helfen die Roboter auch die Fertigungskosten zu senken: Während ein Arbeiter rund 40 Euro die Stunde koste, wären es bei Robotern nur drei bis sechs Euro.